Internationaler Sozialistischer Kongress 1907
Quelle: FES

Überall auf der Welt – um sie zu verändern

Karl Liebknechts Referat "Militarismus und Antimilitarismus" – im September 1906 auf einem Kongress der süddeutschen Arbeiterjugendvereine gehalten – hat zwei Folgen: Er selbst wird zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Und es wird beschlossen, eine sozialistische Jugendinternationale voranzutreiben. Das soll bis zum Internationalen Sozialistischen Kongress 1907 in Stuttgart abgeschlossen sein.

Am 24. August 1907 wird die Sozialistische Jugendinternationale (Socialist Youth International – SYI) gegründet. 21 Delegierte aus 13 europäischen Staaten sowie ein Australier nehmen am Kongress teil. Karl Liebknecht wird zum ersten Präsidenten gewählt. Der Antimilitarismus, Fragen der Bildung sowie der sozialen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit stehen im Fokus der sozialistischen Jugendorganisation.

Die Jugendinternationale führt 1910 und 1912 eigene Kongresse durch, um sich dieser Themen anzunehmen. Doch bereits die vierte Konferenz, geplant für August 1914, findet nicht mehr statt. Der österreichische Generalsekretär Robert Danneberg, der später im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wird, soll Recht behalten, als er seine Büro-Tür mit folgendem Spruch versieht: "Wegen Krieg vorübergehend geschlossen." 

Die SYI kann während der beiden Weltkriege und turbulenten Zwischenkriegsjahre ihre Arbeit nicht aufrechterhalten. Hinzu kommen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten innerhalb der Länder und Organisationen. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen 1940 in Frankreich ist das Ende der Sozialistischen Jugendinternationale endgültig besiegelt.

Neustart in Paris
Noch vor Kriegsende ergreift die französische Sozialistische Jugend die Initiative, um einen neuen Grundstein zu legen. Sie kontaktiert den letzen Generalsekretär der SYI, den späteren SPD-Parteivorsitzenden Erich Ollenhauer. Zusammen mit skandinavischen Verbänden wird im März 1945 über die Wiedergründung einer Sozialistischen Jugendvereinigung beraten.

Es soll noch bis zum 30. September 1946 dauern, bis ein internationaler sozialistischer Jugenddachverband, die Internationale Union der Sozialistischen Jugend (IUSY), von 22 Jugendorganisationen konstituiert wird. Neben Vertretern westeuropäischer Länder wie Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, den Benelux-Staaten und Deutschland sind nun auch britische, skandinavische und US-amerikanische Delegierte anwesend. Hinzu kommen Abordnungen aus Osteuropa, so etwa aus Polen und der Tschechoslowakei.

Zwischen den Stühlen – Entschieden für Frieden
Die weitere Entwicklung der IUSY wird schnell vom heraufziehenden Kalten Krieg geprägt. Die Union versucht sich vor dem Hintergrund der ideologischen Blockkonfrontation der 1950er und 60er mit einer Position eines Dritten Weges zwischen Kapitalismus und Kommunismus zu positionieren. Dabei steht der Versuch der Aussöhnung und des Friedens politisch an erster Stelle.

Durch das Eintreten gegen den Kolonialismus und die Zusammenarbeit mit Befreiungsbewegungen aus Asien, Afrika und Lateinamerika schafft es IUSY sich von einer anfangs nahezu ausschließlich europäischen Organisation zu einer echten Weltorganisation zu entwickeln.

1954 wird mit dem Inder Nath Pai erstmals ein Nicht-Europäer zum IUSY-Vorsitzenden gewählt. Mittlerweile umfasst IUSY mehr als 140 Mitgliederorganisationen aus über 100 Staaten der Welt und ist somit die größte politische Jugendorganisation der Welt.

"Wir werden der Wandel sein"
Wird nach dem Zweiten Weltkrieg die deutschen Mitglieder noch etwas unsicher beäugt, haben sich Jusos und Falken im Laufe der Jahre zu einer der tragenden Säulen der IUSY entwickelt. Ein konkretes und lebendiges Zeichen dieser Arbeit ist das Willy Brandt Center Jerusalem

Dieses einmalige Projekt liegt mitten im Brennpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts. Im Namen des Friedensnobelpreisträgers Brandt arbeiten hier seit 1996 junge Menschen aus Deutschland, Israel und Palästina daran, Lösungen abseits der großen politischen Bühne zu entwickeln. "Trotz des Feststeckens des Friedensprozesses haben wir als Jugend die Hoffnung, die Situation zu verändern für eine bessere Zukunft für alle Beteiligten. Und wir glauben daran, dass wir dieses Ziel erreichen können. Wir werden der Wandel sein!", so Ahmad Karaeen von der Fateh-Jugend.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum von IUSY 2007 würdigt der damalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck die Erfolge am Beispiel des Nahost-Konflikts.

Als einzige Jugendorganisation mit einer breiten internationalen Basis sei es ihr lange vor dem Osloer Abkommen 1993 gelungen, Palästinenser und Israelis an einen Tisch zu bringen und zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.

Ähnliche Initiativen zum zivilgesellschaftlichen Dialog initiiert IUSY weltweit. Sei es in Weißrussland oder in den arabischen Staaten. "Der Wandel im Norden Afrikas und im Nahen Osten bzw. die Frage, wie hier demokratische Elemente greifen können, ist ein wesentliches Thema. IUCY, Jusos und Falken begleiten in Zusammenarbeit mit dem Willy Brandt Center diesen Prozess. Wir unterstützen zahlreiche säkulare Organisationen bei ihrer Arbeit, beispielsweise in Tunesien, Ägypten oder Marokko."

Neben dieser Aufgabe beschreibt IUSY-Vizepräsident Tim Schlösser den Kampf gegen die soziale Ungleichheit als zentrales Anliegen. Ein Meilenstein in diesem Kontext sei auch das 2012 verabschiedete Grundsatzprogramm "Global Manifesto": Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie sind die Leitplanken.

Wer arbeitet, darf auch feiern
Weil ein Großteil der Arbeit in den Gremien und Programmen geleistet wird, sind die seit 1952 stattfindenden IUSY World Festivals mit mehreren tausend jungen Menschen eine willkommene Gelegenheit, um persönlich mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt zusammen zu kommen. 

Zuletzt treffen sich die JungsozialistInnen 2011 in Österreich unter dem Eindruck der Anschläge in Norwegen. Viele TeilnehmerInnen haben bei dem Anschlag gute Freunde verloren. Doch wie in Norwegen auch haben die vielen tausend GenossInnen aus der ganzen Welt gezeigt: Unsere Ideen sind stärker als die Gewalt und der Hass!


Ausgelassene Stimmung beim letzten IUSY-Festival 2011 in Österreich.
(Quelle: jusos.de)

Wie wichtig dieser direkte Austausch untereinander ist, das Erleben von Solidarität, weiß auch Heidemarie Wieczorek-Zeul. Verbindungen aus ihrer IUSY-Zeit helfen ihr nach eigenem Bekunden heute noch, international Kontakte knüpfen.

Und nur solche Kontakte ermöglichen es, Informationen und Stimmungen aus anderen Ländern richtig einschätzen zu können – um dann gemeinsam zu handeln.

Direkt im Vorfeld der Workers Youth Festivals 2013 startet mit diesem Credo die Globale Kampagne "Fighting Global Inequalities, locally" (Globale Ungleichheit bekämpfen, vor Ort). "Weil die Schere zwischen Arm und Reich überall auseinandergeht, müssen wir für ein größeres Bewusstsein sorgen. Bei unseren Mitgliedern aber natürlich auch im politischen Raum", so IUSY-Vizepräsident Schlösser. (nh)

Quellen:
Online-Archiv der FES: http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/stichwort/iusy.htm

Niels Annen/Björn Böhning/Kai Burnmeister/Sven Freye (Hg.): 100 Years of International Socialist Youth. Struggel for Peace and Equality in the Word. vorwärts buch, 2007.

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