1888 Gründung ASB
Quelle: Ullstein / Willy Römer

Organisierte Solidarität: der Arbeiter-Samariter-Bund

Auch der ASB feiert 2013 ein Jubiläum, sein 125jähriges Bestehen. Der Ort ist feiner und die Versammlung größer als bei der Gründung 1888.

Sechs Berliner Zimmerleute nehmen 1888 die Dinge selbst in die Hand. Sie organisieren einen "Lehrkursus über die Erste-Hilfe bei Unglücksfällen".

Der Anlass für das beherzte Handeln der Sechs ist schreiende Not. In der Industrialisierung entstehen Fabriken voller neuartiger – gefährlicher –  Maschinen, aus ländlichen Gebieten strömen Arbeiter in die wuchernden Städte. Sie wohnen zumeist unter erbärmlichen Bedingungen. Hygiene ist ein Fremdwort.

Auch Arbeitsschutz ist ein Fremdwort – wie Arbeitszeitbegrenzung und Verbot der Kinderarbeit. Dazu braucht es Gesetze. Die Sozialdemokratie macht sich auf den Weg, solchen Gesetzen Mehrheiten zu verschaffen. Doch wer hilft dem Arbeiter, der sich hier und jetzt am Arbeitsplatz verletzt?


Der ASB im Einsatz (Quelle: ASB Ruhr)

Verbandskästen? Nirgendwo zu finden
Unfallverhütungsvorschriften? Nie gehört. Verbandskästen? Nirgendwo zu finden. Ist ein Arzt in der Nähe? Natürlich nicht. Und wer sollte ihn bezahlen? Die Idee allgemeiner Krankenversicherungen entsteht gerade erst.

Auch die Idee von Sanitätsdiensten ist brandneu. In Kriegen hilft neuerdings das Rote Kreuz – , doch wer denkt an Arbeiter und die Gefahren, die von Arbeitsplätzen ausgehen? Allenfalls Unternehmer, die in der Gesundheit ihrer Beschäftigten verletzliches Kapital erkennen. Doch nicht jeder Unternehmer denkt so weit. Zumeist sind Arbeiter schnell zu ersetzen.1896 geht aus der Initiative der Sechs in Berlin die erste "Arbeiter-Samariter-Kolonne" hervor: ein mobiler Hilfsdienst leistet Erste Hilfe und transportiert Verletzte dorthin, wo sie sachgerecht versorgt werden können. Als Transportmittel dienen zunächst Fahrräder und Tragen.

Das Berliner Vorbild macht Schule
Nach dem Berliner Vorbild entstehen in vielen Industriest
ädten weitere Arbeiter-Samariter-Kolonnen. 1909 schließen sich die Gruppen aus Berlin, Dresden, Meißen, Köln, Hamburg und Elberfeld zum Arbeiter-Samariter-Bund zusammen. Im Jahr darauf hält der ASB in Dresden seine erste Bundestagung ab.

In der Weimarer Republik kann die SPD endlich Gesetze zur Arbeitszeitbeschränkung und zum Arbeitsschutz durchsetzen – auch wenn viele Vorschriften in Zeiten von Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit unterlaufen werden. An Not ist weiterhin kein Mangel.

In Straßenschlachten werden viele Menschen verletzt. Oft können Arbeiterfamilien Krankenhausaufenthalte nicht finanzieren. Der ASB leistet Hauskrankenpflege, er engagiert

sich in der Gesundheitsfürsorge und der Kinderhilfe. Er wächst und wächst. 1932 bestehen 1574 ASB-Kolonnen mit mehr als 52 000 Helfern.

Die Nazis verbieten den ASB gleich nach ihrem Machtantritt 1933. Und auch in der DDR bleibt er verboten.

Wiedergründung in Hannover
In den Westzonen gründet sich der Arbeiter-Samariter-Bund ab 1946 neu. Zunächst ist seine Zentrale in Hannover, 1965 zieht sie nach Köln um. In den ersten Nachkriegsjahren kümmert sich der ASB vor allem um Flüchtlinge und Vertriebene.

Er baut einen Sanitäts- und Rettungsdienst auf. Er lehrt schon Kindern und  Jugendlichen, Erste Hilfe zu leisten. In den folgenden Jahrzehnten eröffnet der ASB auch eigene Krankenhäuser und Pflegeheime. Es kommen viele neue Aufgabenfelder dazu. Heute ist er eingewoben in ein enges Netz von Sanitätsdiensten und Einrichtungen der Wohlfahrtspflege.


Der ASB im Einsatz (Quelle: ASB Ruhr).

1990 entsteht im mecklenburgischen Güstrow der erste ASB-Ortsverband auf dem Gebiet der soeben untergegangenen DDR. Während des Elbe-Hochwassers 2002 sind mehr als 1500 Helfer des ASB im Einsatz. Seit 2012 unterhält der ASB ein Hauptstadtbüro in Berlin.

Die Geburtstagsfeier 2013 findet im Maritim Hotel Tiergarten statt, mit vielen ehrenamtlichen und prominenten Gästen. Zum ersten Mal wird an diesem Tag der Annemarie-Renger-Preis für herausragende Leistungen zugunsten des bürgerschaftlichen Engagements verliehen. (uk)  

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Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

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