Die SPD beschließt auf ihrem Parteitag 1988 die Frauenquote für sich.
Quelle: dpa

25 Jahre Quote in der SPD

Ein roter Punkt auf der politischen Landkarte der Frauenbewegung: Der SPD-Parteitag 1988 in Münster beschließt eine Geschlechterquote. Und stellt damit gesellschaftspolitische Weichen.

"Auf dem Parteitag war richtig was los", erinnert sich Hans-Jochen Vogel. Denn als 1988 in der Halle Münsterland die Delegierten über die sogenannte "Frauenquote" abstimmen, ist diese innerhalb der Partei höchst umstritten. Vogel, damals Bundesvorsitzender, muss harte Überzeugungsarbeit leisten: "Gegen die Einführung der Quote haben auch einige Landes- und Bezirksverbände der SPD mehr oder weniger heftigen Widerstand geleistet."

Doch der Beschluss kommt. Die SPD, unterstreicht Vogel, ist damit die erste Partei und damit die erste große Organisation überhaupt, die sich verpflichtet, Frauen einen angemessenen Anteil an Funktionen und Mandaten einzuräumen. Auf dem Bochumer Parteitag 2003 schließlich wird diese wichtige Statutenänderung erneut bestätigt und die Quote entfristet.

Ein einfacher Weg – aber der richtige
Inge Wettig-Danielmeier, 1988 Mitglied des SPD-Partei-
vorstandes und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), dokumentiert in den Frankfurter Neuen Heften eindrücklich, wie selbst innerhalb der ASF über die Vor- und Nachteile einer Quote diskutiert wird. Willy Brandt und Egon Bahr, so schreibt sie, empfahlen den Frauen indes schon Mitte der 1970er Jahre, "ernsthaft über satzungsmäßige Vorkehrungen nachzudenken und eine Mindestquote zur Diskussion zu stellen".

Im Rückblick ist Wettig-Danielmeier überzeugt, dass der Quotenbeschluss eine "Zeitenwende" eingeleitet hat: "Ihm verdanken wir einen großen Fortschritt an weiblicher Beteiligung in der Partei, in anderen Parteien und Verbänden sowie in der Gesellschaft insgesamt. Er hat zur Glaubwürdigkeit unserer Partei beigetragen."

Erst die Partei, dann die Gesellschaft
Anke Fuchs, zu jener Zeit Bundesgeschäftsführerin, bekennt, dass ihre anfängliche Skepsis der Gewissheit gewichen ist: Die Quotendebatte und die Quotenvorschrift in der SPD hat zu gesellschaftlichen Veränderungen insgesamt beigetragen. "Aus heutiger Sicht ist für Frauen vieles einfacher geworden, was nicht zuletzt der Entscheidung der SPD für die Quotierung zu verdanken ist." Die Geschichte der Quote ist eine Erfolgs-
geschichte.Beispielsweise lag im Jahr 1988 der Frauenanteil der SPD-Bundestagsfraktion bei lediglich 16 Prozent.


Die Bundesgeschäftsführerin Anke Fuchs 1988 auf dem Parteitag in Münster (Quelle: imago)

In der laufenden Legislaturperiode sind hingegen die Hälfte der SPD-Abgeordneten weiblich.

Und doch legen Frauen wie Inge Wettig-Danielmeier, Anke Fuchs oder Elke Ferner, Vorsitzende der ASF, den Finger in die Wunde, wenn sie fordern: "Wir brauchen eine Quote auch in der Wirtschaft, sonst kommen wir nicht ans Ziel." Denn auch wenn gesetzliche Quoten kein Allheilmittel sind – freiwillige Vereinbarungen, wie sie die schwarz-gelbe Bundesregierung nach wie vor fordern, führen zu nichts. (nh)

Meilensteine 2015 werden geladen

Meilensteine 2015 werden geladen...

Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

Zum Artikel.