Demo zum Internationalen Frauentag
Quelle: dpa

Viel erreicht, aber noch nicht am Ziel

Seit mehr als hundert Jahren gehen Frauen und Männer am Internationalen Frauentag auf die Straße, um für die Gleichstellung der Frau zu demonstrieren.

Der Internationale Frauentag hat viele Mütter. Eine der bekanntesten ist Clara Zetkin. Sie ist es, die im August 1910 den Zweiten Internationalen Frauenkongress einberuft. Mehr als hundert Delegierte aus 17 Ländern kommen daraufhin nach Dänemark, um an dem Kongress teilzunehmen. Zetkin ist es auch, die den Vorschlag, mit einem Internationalen Frauentag für mehr Frauenrechte zu kämpfen, einbringt. Zetkins Forderung: "Keine Frauenrechte, sondern Menschenrechte". Die Idee dazu kommt aus den USA. Dort veranstaltet die Sozialistische Partei Amerikas seit 1909 einen Frauentag.

Der Beschluss des Zweiten Internationalen Frauenkongresses geht einher mit einer Resolution: "Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. Die Forderung muss im Zusammenhang mit der ganzen Frauenfrage der sozialistischen Auffassung gemäß beleuchtet werden. Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten." (Quelle: Deutsches Historisches Museum)

Eine Million Menschen demonstrieren
1911 ist es soweit. Im Vorfeld des ersten Internationalen Frauentags am 19. März ruft Zetkin in der von ihr herausgegebenen sozialistischen Frauenzeitung "Die Gleichheit" zur Teilnahme auf:
"Genossinnen! Arbeitende Frauen und Mädchen! Der 19. März ist euer Tag. Er gilt eurem Recht. Hinter eurer Forderung steht

die Sozialdemokratie, stehen die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter. Die sozialistischen Frauen aller Länder fühlen sich mit euch solidarisch. Heraus zum sozialdemokratischen Frauentag!"
Mit Erfolg: Mehr als eine Million Menschen gehen am 19. März in Deutschland, der Schweiz und Österreich-Ungarn auf die Straße.  

 In der Zeitung "Die Gleichheit" vom 17. März 1911 ruft Zetkin zum Frauentag auf (Quelle: dhm)

Wichtigstes Ziel des Frauentags ist zunächst die Einführung eines gleichen, geheimen Wahlrechts für Frauen. Denn stimmberechtigt sind im Kaiserreich nur Männer.

Der Druck, das Wahlrecht auf Frauen auszuweiten, geht vor allem von der SPD aus, der einzigen Partei, die sich bereits vor 1900 für Frauenrechte einsetzt. Bereits 1891 fordern sie in ihrem Erfurter Programm das "allgemeine, gleiche, direkte Wahl- und Stimmrecht … aller über 20 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts".

Sozialdemokraten sind es auch, die nach dem Ende des Kaiserreichs das Frauenwahlrecht in die Realität umsetzen. Weitere Forderungen sind außerdem der Kampf für gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit sowie der Einsatz für die Fürsorge für Mutter und Kind.  

Der Tag der Arbeiterfrauen
Zunächst findet der Internationale Frauentag an verschiedenen Daten statt. Meist ist es ein Sonntag im März, da Sonntage zu dieser Zeit die einzigen freien Tage der Arbeiterfrauen sind. Erst 1921 wird der 8. März als Termin des Frauentags festgelegt. 

Um die Wahl des Datums ranken sich verschiedene Legenden. Die meisten Quellen gehen davon aus, dass mit dem 8. März an die Frauentagsdemonstrationen 1917 im russischen Sankt Petersburg erinnert werden soll. Diese mündeten schließlich in der Russischen Revolution, die wiederum den Sturz des Zaren bewirkten. Andere erwägen auch den Streik der New Yorker Textilarbeiterinnen, die 1857 erstmals für ihre Rechte demonstrierten, als Vorbild. 

In Deutschland wird der Internationale Frauentag von Mitgliedern der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften organisiert. Nach der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) 1919, in die auch Clara Zetkin eintritt, nutzen jedoch die Kommunisten den Aktionstag zunehmend für propagandistische Zwecke. Der Frauentag verliert an Bedeutung. Während des Nationalsozialismus wird der Tag zwar nicht verboten, wird aber überwiegend vom Muttertag verdrängt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist es zuerst die Deutsche Demokratische Republik (DDR), die den Internationalen Frauentag wieder aufleben lässt – mit Einbußen seines

ursprünglich politischen Gehalts. Im Volksmund ist der Frauentag in der DDR deshalb auch als "sozialistischer Muttertag" bekannt.

Noch nicht am Ziel
In der Bundesrepublik Deutschland gelangt der Aktionstag erst im Zuge der Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre wieder ins Bewusstsein und gewinnt von da an erneut an Bedeutung. Vor allem der Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 bringt die Frauen auf die Straßen. 1977 erklären die Vereinten Nationen den 8. März zum Internationalen Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden. 

Spätestens seit der Wiedervereinigung ist der Internationale Frauentag wieder eine feste Institution in Deutschland. Auch wenn formal die Gleichstellung der Frau umgesetzt ist, sind Frauen nach wie vor strukturell benachteiligt. Die ursprüngliche Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" bildet deshalb noch immer eines der Hauptanliegen des Aktionstages.

Aktuelle Studien zur Lohnentwicklung decken regelmäßig aufs Neue eine Ungleichbehandlung von Frauen und Männern auf. Durchschnittlich 21,6 Prozent verdienen Frauen laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch in Führungsetagen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert.

Die SPD setzt sich ein
Die SPD hat deshalb bereits 1988 auf ihrem Parteitag in Münster eine Quotenregelung für sich getroffen. Seither müssen Frauen und Männer zu jeweils 40 Prozent in allen Mandaten und Funktionen der Partei vertreten sein.

Eine Quote will die SPD auch für die Wirtschaft einführen, um so einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen und Aufsichtsräten zu erreichen.

Zudem tritt die SPD für eine gesetzliche Entgeltgleichheit sowie einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn ein, um gegen das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern anzugehen. Aber auch in Sachen Infrastruktur gilt es nachzubessern. Noch immer fehlt es an ausreichend Krippenplätzen in Deutschland – eine wichtige Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auch das Ehegattensplitting will die SPD für künftig geschlossene Ehen modernisieren. "Die tatsächliche Gleichstellung liegt in der Zukunft, wenn wir auf alle Bereiche schauen", sagt auch Christel Humme, Sprecherin der Arbeitsgruppe Gleichstellungspolitik der SPD-Bundestagsfraktion.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hält dagegen weiter an ihrem rückwärtsgewandten Bild von Familie fest. Statt Frauen in ihrer Erwerbstätigkeit zu unterstützen, führt sie 2013 ein Betreuungsgeld für Mütter ein, die ihr Kind zuhause betreuen. (ms)

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles über die Maßnahmen der SPD anlässlich der im November 2012 veröffentlichten Stepstone-Studie über das Lohngefälle in Europa:


(Quelle: SPDvision)

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