Heide Simonis
Quelle: dpa

Heide Simonis: Deutschlands erste Ministerpräsidentin

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik steht eine Frau an der Spitze einer Landesregierung. Am 19. Mai 1993 wird die Sozialdemokratin Heide Simonis als Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein vereidigt.

Seit 75 Jahren dürfen Frauen in politische Ämter gewählt werden. Doch noch nie hat eine Frau eine deutsche Landesregierung geführt. Plötzlich geht alles ganz schnell. Am 4. Mai tritt der Ministerpräsident Björn Engholm zurück. Zwei Wochen später übernimmt Simonis das Amt.

Als Pionierin in dieser Rolle stößt Simonis auf Widerstände. Viele Menschen sind irritiert. "Eene eenzige Frau regeert dat wunderschöne Land ganz alleen", schleudert ihr ein älterer Mann auf einer Veranstaltung entgegen. "Oh ne, dat dörf doch nicht sin!"

"Du kannst schwimmen!"
Simonis spricht sich Mut zu: "Du kannst schwimmen, du wirst es schaffen, oben zu bleiben." Sie schafft es und überzeugt ihre Kritiker.

Obwohl der Rücktritt Engholms in der Folge der Barschel-Affäre auf dem Image der SPD lastet, gewinnt Simonis bei der Landtagswahl 1996 39,8 Prozent der Stimmen für die SPD. Vier Jahre später sind es sogar 43,1 Prozent. Bis 2005 bleibt sie im Amt.

Damit ebnet Simonis den Weg für weitere Ministerpräsidentinnen. Heute führen vier Frauen eine Landesregierung an: Christine Lieberknecht (CDU, Thüringen), Hannelore Kraft (SPD, Nordrhein-Westfalen), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, Saarland) und Malu Dreyer (SPD, Rheinland-Pfalz). Es ist selbstverständlich geworden.

Ein langer Weg
Als selbstverständlich gilt auch, dass Frauen überhaupt in politische Ämter gewählt werden dürfen. Aber selbst dieses Recht musste über viele Jahrzehnte erstritten werden. Im Kaiserreich war die SPD die einzige Partei, die für ein Wahlrecht für Frauen eintrat. Mit Erfolg: 1918 wurde es in der Weimarer Verfassung verankert.

Doch immer noch sind Frauen in politischen Ämtern unterrepräsentiert. Deshalb hat die SPD 2011 beschlossen, künftig ein Reißverschlussverfahren anzuwenden. Ihre Listen mit den Kandidaten für Bundestagswahlen besetzt die SPD nun abwechselnd mit Männern und Frauen. Der sozialdemokratische Kampf für mehr politische Beteiligung der Frauen ist noch lange nicht zu Ende. (cfh)

Lesetipp:
Heide Simonis, Unter Männern. Mein Leben in der Politik. Deutscher Taschenbuch Verlag 2004.

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