ADGB
Quelle: AdsD / Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Entstehung der Gewerkschaften

1919 vereinigen sich in Nürnberg 52 Gewerkschaften zum Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB). Gemeinsamkeit macht stark. Gleich im Jahr darauf steht der ADGB vor seiner ersten, einer gewaltigen Bewährungsprobe. 

Im März 1920 putschen ehemalige Reichswehroffiziere gegen die sozialdemokratisch geführte Regierung der jungen Weimarer Republik. Die Regierung muss aus Berlin fliehen. Ein Bürgerkrieg droht. In dieser Situation ruft der ADGB unter Führung von Carl Legien zum Generalstreik auf. 

Millionen von Menschen folgen dem Aufruf. Nach wenigen Tagen ist der "Kapp-Putsch" erledigt. Die Mitgliederzahl der ADGB-Gewerkschaften steigt noch im selben Jahr auf die Rekordhöhe von acht Millionen an.

Carl Rudolf Legien (1861-1920) ist schon vor dem Ersten Weltkrieg der führende Kopf der Gewerkschaftsbewegung. 1885 tritt der gelernte Drechsler in Frankfurt am Main der SPD bei, im Jahr darauf auch dem Hamburger Fachverein der Drechsler.

Ein junger Drechsler schreibt Geschichte
Der 25-Jährige erkennt schnell, wie sinnvoll es wäre, wenn die vielen neuen, regionalen Fachgewerkschaften reichsweit mit einer Stimme sprächen. Gemeinsamkeit macht stark. Mehr Gemeinsamkeit macht stärker.

1887 ist Legien die treibende Kraft hinter der Gründung der Vereinigung der Drechsler Deutschlands. Und 1890 übernimmt er wie selbstverständlich den Vorsitz der neu gegründeten Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, des Vorgängers des ADGB.

Die zunächst sieben-, später 13-köpfige Generalkommission formuliert reichsweit politische Interessen aller Gewerkschaften und steht im engen Dialog mit der SPD-Führung. 

Revolution? Lasst den Quatsch!
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts diskutieren Partei und Gewerkschaften leidenschaftlich darüber, ob ein "Massenstreik" das geeignete Mittel zum Umsturz der monarchistisch-kapitalistischen Gesellschaft des Kaiserreiches sein könnte.

Legien hält das für abenteuerliches Wunschdenken. Er setzt auf die allmähliche Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen durch zähe Arbeit mit demokratischen Mitteln. 1906 beschließt die SPD auf ihrem Parteitag in Mannheim, keinen Streikaufruf zu erlassen, ohne die Gewerkschaften zuvor zu befragen: das Ende der "Massenstreikdebatte".

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs suchen Arbeitgeber in ihrer Not die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. Die machen mit, fordern dafür aber Rechte ein. Das "Stinnes-Legien-Abkommen" ist der Ursprung des deutschen Mitbestimmungsrechtes.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer begegnen sich zum ersten Mal auf Augenhöhe. Die Gewerkschaften setzen prompt ihre alte Forderung nach dem Achtstundentag durch.

Kommunisten spalten die Arbeiterbewegung
In den Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre bröckeln solche Regeln und Rechte allerdings wieder. Die wachsende Arbeitslosigkeit schwächt die Gewerkschaften. Zumal die Kommunisten die Einheit der Arbeiterbewegung zerstören.

Auf Geheiß aus Moskau betreibt die KPD 1929 die Gründung einer Konkurrenzorganisation zum ADGB, der Revolutionären Gewerkschaftsorganisation, RGO.

1932 vertritt der ADGB noch rund 3,5 Millionen Mitglieder, die RGO nur etwa 200 000. Dennoch: Die Arbeiterbewegung ist gespalten und geschwächt. Die Feinde der Republik setzen sich durch – wenn auch nicht so wie von der KPD erhofft.

1931 gründen SPD und ADGB zum gemeinsamen Kampf für Demokratie und Rechtsstaat die Eiserne Front. Doch die rechten Kräfte sind stärker. Namhafte Großindustrielle finanzieren den Aufstieg der NSDAP.

Die Nazis kennen ihre Gegner
1932 setzt die Reichsregierung unter Kanzler von Papen die sozialdemokratisch geführte Regierung Preußens ab: ein als legal getarnter Putsch. Er bahnt Hitler den Weg zur Macht: Die preußische Polizei lässt die SA-Horden jetzt gewähren.

Obwohl Teile des ADGB 1933 die Zusammenarbeit mit dem neuen NS-Regime suchen, besetzt die SA am 2. Mai überall im Reich Gewerkschaftshäuser. In Duisburg werden dabei vier Gewerkschaftssekretäre brutal ermordet. Die NSDAP führt längst Listen. Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Kommunisten finden sich in "Konzentrationslagern" wieder, werden gequält, erniedrigt, gefoltert, getötet.

Wiederbeginn in München
Am 12. Mai 1949 gründet sich der Dachverband der Gewerkschaften in der Bundesrepublik neu. Ab jetzt nennt er sich Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB). Auf dem Gründungskongress in München wird Hans Böckler zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Hinter dem DGB stehen heute mehr als vier Millionen Mitglieder. Er versteht sich als Stimme der Gewerkschaften gegenüber allen politischen Entscheidungsträgern, Parteien und Verbänden in Deutschland. Doch sein geistiger Nährgrund bleibt die Sozialdemokratie. (uk)

www.dgb.de

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