AWO
Quelle: AdsD / Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Gründung der AWO

Marie Juchacz erfindet die Jugend-, Arbeits- und Sozialpolitik. Im Ersten Weltkrieg waren Frauen plötzlich in Büros und Fabriken gefragt, während die Männer auf Schlachtfeldern verheizt wurden. Jetzt ist der Krieg zu Ende. Aber die Frauen wollen nicht zurück an ihren "angestammten Platz". Zur gleichen Zeit ist das Land voller zerbrochener Familien, Kriegsversehrter, Witwen und Waisen.

Am 13. Dezember 1919 schlägt die Reichstagsabgeordnete Marie Juchacz dem SPD-Parteiausschuss vor, eine sozialdemokratische Organisation der Wohlfahrtspflege zu gründen. Bisher wird diese Arbeit als rein karitative gesehen und obliegt den Kirchen.

Die Parteiführung stimmt dem Vorschlag zu. Marie Juchacz übernimmt den Vorsitz des "Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt in der SPD". Das ist die Geburtsstunde der AWO.

"Das Ziel unserer Wohlfahrtspolitik ist die Überwindung der Armut, nicht ihre Pflege", erklärt ein AWO-Lehrbuch von 1930, worin sich die neue Organisation von anderen unterscheidet.

"Selbsthilfe der Arbeiterschaft"
Dezentral organisiert, beschäftigt die AWO heute rund 145 000 hauptamtliche Mitarbeiter. Sie betreibt Kindertagesstätten, Altenwohnanlagen, Pflegeheime und Kliniken.

Sie kümmert sich um Asylsuchende und andere Menschen in Not, in Deutschland und international. Sie hat rund 400 000 Mitglieder und mobilisiert mehr als 100 000 ehrenamtliche Helfer.

1919 geht es zunächst darum, die Not der Menschen zu lindern, die der Krieg krank oder obdachlos gemacht hat. Reichspräsident Friedrich Ebert beschreibt die AWO als "Selbsthilfe der Arbeiterschaft".

Marie Juchacz gewinnt die SPD für die Einsicht, dass soziale Arbeit ihrem Wesen nach politisch ist. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie muss ein neuer Staat aufgebaut werden, mit neuen Institutionen. Prof. Dr. Carl Wolfgang Müller:

"Dazu gehörte eine moderne, humane und progressive Jugend-, Arbeits- und Sozialpolitik. Diese Politik galt es zu formulieren, parlamentarisch durchzusetzen und im behördlichen Alltag von Städten, Kommunen und Landkreisen einzuführen. Eine riesige neue Aufgabe, die mit der alten, verbrauchten und rückwärts gewandten Beamtenschaft des Kaiserreiches nicht zu packen war.“ (Quelle: Mit uns zog die neue Zeit, AWO Bundesverband)

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Die Nazis versuchen die Arbeiterwohlfahrt 1933 gleichzuschalten. Vergeblich. Sie lösen sie auf. 1946 entsteht die AWO in Hannover neu. In der DDR wird sie nicht zugelassen (mit Ausnahme Ost-Berlins, wo der Viermächtestatus gilt).

Heute ist die AWO in allen Bundesländern aktiv. Der AWO-Bundesverband setzt sich energisch für die anständige Bezahlung von Menschen ein, die in Pflege- und Erziehungsberufen arbeiten. Das Leitbild der AWO orientiert sich nach wie vor an Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Schon deshalb kämpft sie für die Geltung des Prinzips "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Auch 2013 noch. (uk)

www.awo.org

awo-historie.org

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