Letzte Aufnahme des Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 15.2.1925 in seinem Arbeitszimmer
Quelle: AdsD

Friedrich Ebert stirbt

Friedrich Ebert, das erste gewählte deutsche Staatsoberhaupt, wird nur 54 Jahre alt. Am 28. Februar 1925 erliegt er einer verschleppten Krankheit – aber ebenso einer nicht enden wollenden Hasskampagne. An Eberts Trauerzug am 4. März nehmen eine Million Menschen Abschied vom Reichspräsidenten.

Ein Arbeitersohn löst den Kaiser ab! Ein Sozialdemokrat! Ein Sattler aus Heidelberg, der nur zur Volksschule hat gehen können! In den Augen von Monarchisten und sonstigen Dünkelbürgern ist das ein Skandal.

Das Kaiserreich ist untergegangen. Ein Krieg ist zu Ende, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Auf den Trümmern "des Alten, des Morschen" übernehmen Sozialdemokraten Verantwortung. Für den Aufbau eines neuen Landes, einer friedlichen deutschen Republik. Ein Land der Gleichen soll entstehen. 1919 wird der gelernte Sattler Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt.

Die Republik und ihre Feinde
Die Republik hat von Anfang an viele Feinde: Monarchisten, Nationale – auch Kommunisten, die eine "Räterepublik" nach sowjetischem Muster erstreben. Ebert wird zur Zielscheibe von Hohn, Spott und wüsten Unterstellungen. Immer wieder versucht er seine Ehre vor Gericht zu verteidigen. Aber auch die deutsche Justiz steckt voller Feinde der Demokratie.

Putschversuche, bittere Not, Inflation prägen die Kinderjahre der Republik. Ebert gibt ihr ein würdiges, ein menschliches Gesicht. Aber er leidet. Und er ist krank – findet aber nicht die Zeit, sich behandeln zu lassen. Als Ebert stirbt, sammeln die Trauergäste Spenden: das Grundkapital der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), der Mutter aller politischen Stiftungen in Deutschland.

"Die Friedrich-Ebert-Stiftung verfolgt den Zweck, jungen, befähigten Proletariern Beihilfen für einen Studiengang an staatlich anerkannten Instituten zu geben", so lautet ihr Gründungsauftrag. Auf dass mehr Menschen wie Ebert durch Bildung nach oben kommen – auf Wegen, die dem Sohn eines Schneiders noch verschlossen waren.

Der SDS erinnert sich an Ebert
1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Sie verbieten die junge Stiftung. 1946, nach dem Zusammenbruch der Hitler-Diktatur und dem Ende des Zweiten Weltkriegs, geht die Initiative zur Wiedergründung der Stiftung von Studenten aus. 

1948 werden wieder Stipendien vergeben, nach einer Übereinkunft zwischen dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und der SPD. Einer der ersten Stipendiaten heißt Helmut Schmidt.

1954 wird die FES zu einem gemeinnützigen Verein mit dem Ziel "demokratischer Volkserziehung". Die Bundesrepublik Deutschland entschließt sich, politische Stiftungen aus Steuergeldern zu finanzieren. Auch andere demokratische Parteien werden ihrerseits Stiftungen nach dem Vorbild der FES gründen.

Weltweiter Einsatz für Demokratie
Bis heute hat die Friedrich-Ebert-Stiftung mehr als 15 000 Studentinnen und Studenten mit Stipendien unterstützt. Seit den 1960er Jahren hilft sie weltweit beim Aufbau demokratischer Strukturen. Die Sozialistische Partei Portugals wird 1973 in der Heimvolkshochschule Bad Münstereifel der FES gegründet. 

In mehr als 100 Ländern unterhält die FES Auslandsbüros. In Deutschland wirkt sie als "Think Tank“ und Ort der politischen Weiterbildung.

2012 erinnert sie auf einem großen "Wertekongress" den Berliner Politikbetrieb daran, dass es beim Kampf um Mehrheiten nicht um Pfründe geht, sondern um die Gestaltung von Lebensbedingungen.

Nachruf und letztes Interview mit Peter Struck, von 2010 bis 2012 Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Lesetipp: Günter Grunwald und die Friedrich-Ebert-Stiftung, hrsgb. von Dieter Dowe, Peter Hengstenberg u. Ernst J. Kerbusch, J.H.W. Dietz, Bonn 2012

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Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

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