Peer Steinbrück wird auf dem Parteitag in Hannover zum Kanzlerkandidaten der SPD gewählt.
Quelle: SPD / Thomas Imo

Die SPD ist bereit zu regieren

Angela Merkel hat nun einen offiziellen Gegner: In Hannover kürt die SPD Peer Steinbrück mit 93,45 Prozent zu ihrem Kanzlerkandidaten. In seiner Rede zeichnet er das Bild eines gerechteren Landes.

"Heute um 12.20 Uhr hält Peer Steinbrück den wichtigsten Vortrag seines Lebens." Mit milder Bösartigkeit legt die "Bild am Sonntag" die Messlatte hoch: Kann der Kanzlerkandidat der SPD seine eigene Partei überzeugen – und sich dabei treu bleiben? Er kann. Peer Steinbrück greift sich zunächst einen Blumenstrauß und steigt von der Bühne in Hannovers Messehalle hinab ins Plenum, dorthin, wo ganz besondere Ehrengäste Platz genommen haben. Die Blumen sind für Erhard Eppler. Er wird an diesem Sonntag 86 Jahre alt. Viel habe er gelernt von Erhard Eppler, versichert Steinbrück. Viel habe die Partei Eppler, dem Wegbereiter ökologischer Politik, zu verdanken.

Politik mit Haltung
Auch die Kanzler Schmidt und Schröder spricht Steinbrück an. Er beschreibt sie als Menschen, die Haltung zeigten, gerade in schweren Zeiten. Die aber auch beide Deutschland modernisiert haben. Steinbrück erwähnt die "moderne Familienpolitik", die "ökologisch orientierte Steuerpolitik", schließlich Schröders "mutige Haltung, Deutschland aus dem Abenteuer des Irak-Krieges herauszuhalten". 

Die große Tradition der SPD – Steinbrück beschwört sie geradezu. Es habe Deutschland immer gutgetan, wenn Sozialdemokraten regierten. Zum ersten Mal sind jetzt "Bravo!"-Rufe zu hören. Es werden später immer mehr. Haltung und Werte: Daran erkenne man große Sozialdemokraten.

Otto Wels, Kurt Schumacher, Willy Brandt. Helmut Schmidt. Steinbrück verschmitzt: "Deshalb darf er im Fernsehen auch rauchen." Prompt greift der in der ersten Reihe sitzende Altkanzler in seine Jackentasche, zieht eine Zigarette hervor und zündet sie fernsehgerecht an.


Peer Steinbrück beschwört in seiner Rede die große Tradition der SPD. Quelle: SPDvision

Rot-Grün, sonst nichts!
Haltung zeigen und werteorientiert handeln: Das werde auch er, verspricht Steinbrück, sollte er zum Kanzler einer rot-grünen Bundesregierung gewählt werden. Rot-Grün: Für nichts

anderes stehe er zur Verfügung. Jetzt steigert sich der Applaus über jedes Höflichkeitsniveau hinaus. Ausführlich skizziert Steinbrück eine solche Politik, spricht über den Mindestlohn, über die Solidarrente, Frauenquoten, Bildung. Aber er kann auch austeilen. Angela Merkels CDU sei zur reinen "Machtmaschine" verkommen. Ludwig Erhard würde diese Partei nicht wiedererkennen – und wäre heute wohl Sozialdemokrat.

Mehr als zehn Minuten währt schließlich der Applaus. Er ist nicht erzwungen. Überall sind strahlende Gesichter zu sehen. "Das war richtig gut", ruft eine Delegierte Journalisten zu. Die eigentliche Wahl ist jetzt nur noch Formsache. 93,45 Prozent der Delegierten wählen Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten der SPD für die Bundestagswahl 2013. (kl)

Laden Sie hier die Rede Steinbrücks als PDF-Dokument:
http://www.spd.de/scalableImageBlob/83794/data/bpt2012_rede_steinbrueck-data.pdf

"Falsche Versprechen in der Politik sind sehr gefährlich" – Teil 2 der mitreißenden Rede Steinbrücks. Quelle: SPDvision


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Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

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