Erich Ollenhauer auf dem SPD-Parteitag in Bad Godesberg 1959 Abstimmung über das Godesberger Programm der SPD
Quelle: dpa

Die Partei des Volkes

1959 hat sich die SPD ganz offiziell zur Volkspartei erklärt. Zu einer Partei, in der jeder gut aufgehoben ist, dem Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gleichermaßen wichtig sind.

Das Wort Partei leitet sich von 'pars' her – lateinisch für 'Teil'. Doch Sozialdemokraten haben sich nie nur als Interessenvertreter eines Teiles der Gesellschaft begriffen. Auch ging es ihnen nie nur um die Verbesserung der Welt an einem bestimmten, begrenzten Ort, sondern um eine bessere Welt. 

"Jeder Mensch ist ein Arbeiter", hat Ferdinand Lassalle dem ADAV, der Vorgängerin der SPD, 1862 ins Stammbuch geschrieben. Und von Anfang an versteht sich die Sozialdemokratie als eine internationale Bewegung. 

Unter den ersten Sozialdemokraten sind vor allem Handwerker, Gesellen und Meister. August Bebel hat einen Handwerksbetrieb, den seine Frau Julie führt, wenn der SPD-Vorsitzende Reden hält oder wieder mal eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Auch bürgerliche Intellektuelle wie Lassalle prägen die Sozialdemokratie von Beginn an.

Die Partei der Moderne
Aber wahrgenommen wird die SPD lange Zeit als Partei der Arbeiter, insbesondere der Industriearbeiter – die sie ja auch sein und bleiben will. Dass es ihr zugleich um mehr geht, das macht sie in Bad Godesberg am Rhein unüberhörbar deutlich. In der dortigen modernen Stadthalle beschließt sie am 15. November 1959 ein Grundsatzprogramm, das Jahrzehnte lang gültig bleibt und bis heute nachklingt: das Godesberger Programm.

Ein modernes Programm. Eines, das Fortschritt bejaht. Das "so viel Markt wie möglich, so viel Planung wie nötig" fordert. Und das in einer frischen, klaren Sprache formuliert ist, die jeder versteht. Frei von Funktionärsdeutsch und Milieu-Jargon.

Die Partei der Jugend
Mit ihrem Godesberger Programm setzt sich die SPD zugleich deutlich vom Muff der Adenauerzeit ab. Sie ist wieder erkennbar "der Zukunft zugewandt". Den neuen, frischen Geist wird bei der nächsten Bundestagswahl ein neuer, junger Spitzenkandidat verkörpern. Erstmals tritt die SPD 1961 mit einem Kanzlerkandidaten an: dem jugendlich wirkenden Regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt.

Regieren zu wollen, das erscheint als ein mutiger – manche sagen: weit hergeholter – Anspruch. Seit der Wahl von 1957 regiert Adenauers Union die Bundesrepublik mit absoluter Mehrheit. Die SPD ist nur auf 31,8 Prozent gekommen. Das Godesberger Programm ist nicht vom Himmel gefallen. Lange Diskussionen über Modernität und Tradition gehen seinem Beschluss voraus. An die Spitze der "Reformer" setzen sich der Parteivorsitzende Erich Ollenhauer und Willi Eichler als Vorsitzender der Programmkommission.

Ein Programm der klaren Worte
1958 liegt ein erster Entwurf vor. 34 Personen haben daran mitgeschrieben. Viele Vorschläge aus den Gliederungen der Partei sind eingeflossen. Der Vorstand findet: Das Papier ist viel zu lang und zu sperrig. Ein kleines Redaktionsteam um den Journalisten Fritz Sänger übernimmt. Es schreibt einen Text, auf dessen Grundlage die SPD von Wahl zu Wahl zulegen wird. Und niemand kann mehr übersehen: Sie ist die linke Volkspartei. (uk)

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