Sturm auf die Bastille, 14. Juli 1789, um 1791/1796 Kupferstich von Isidore Stanislas Helman nach Charles Monnet
Quelle: Kupferstich von Isidore Stanislas Helman nach Charles Monnet

Die Franzosen lassen ein neues Zeitalter beginnen

Mit dem Sturm auf ein Gefängnis – die Bastille – beginnt die Französische Revolution.

Die Philosophen der Aufklärung lehren seit Langem, alle Menschen seien gleich und hätten Rechte, die ihnen niemand gewähren muss und niemand nehmen kann. Doch die gesellschaftliche und politische Wirklichkeit sieht anders aus, nicht nur in Frankreich: Könige halten ihre Macht für gottgegeben. Adel und Klerus regieren und genießen ihre Privilegien. Standesregeln begrenzen die Freiheit der Bürger und Bauern. 

In Frankreich wird diese Welt über den Haufen geworfen. Aus der Monarchie wird eine Republik. Titel und Privilegien werden abgeschafft. Es gibt keine Standesgrenzen mehr. Selbst der abgesetzte König ist ab sofort der "Bürger Capet". Alle Macht geht jetzt "vom Volke aus".

Doch wie? Die junge Republik versinkt bald in Terror und Krieg. Frankreich wird seine Rettung in einer Militärdiktatur suchen – die vorerst in eine neue Monarchie übergeht. Napoleon wirft zwar fast alle antiquierten Grenzen über den Haufen, überzieht dabei aber Europa mit blutigen Kriegen.

Die industrielle Revolution beginnt
Wer die neuen Freiheiten geschickt – und rücksichtslos – zu nutzen weiß, kommt rasch nach oben und häuft Vermögen an. Statt einer Gesellschaft der Gleichen entsteht eine Herrschaft der Starken. Wer sich nicht selbst zu helfen weiß, bleibt auf Almosen angewiesen.

Der Wegfall von Grenzen, Regeln und Zöllen bricht der industriellen Revolution Bahn.


Erfinderische Unternehmer nutzen ihre neuen Chancen – und leben bald luxuriös wie einst nur der Adel und der hohe Klerus. Doch wer nichts hat als seinen Kopf und seiner Hände Arbeit, dem bringt die neue Freiheit oft Armut und Rechtlosigkeit. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Revolution stehen in krassem Widerspruch zu ihren philosophischen Grundlagen – zumal im 19. Jahrhundert fast überall in Europa reiche Bürger den Schulterschluss mit Adel und Klerus suchen. Die "Soziale Frage" entsteht.

Antwort auf die "Soziale Frage"
Sozialdemokratie: Das ist die Antwort auf die "Soziale Frage". Die einzige, die im Einklang steht mit dem Anspruch der Aufklärung auf die allgemeine Gültigkeit der Menschenrechte und der Forderung der Französischen Revolution nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Sozialdemokraten übersetzen diesen Dreiklang in: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Alle drei bedingen einander. Wo einer dieser Grundwerte verletzt wird, entstehen neue Gräben oder Diktaturen. Auch im 21. Jahrhundert ist der Dreiklang immer wieder gefährdet.

In Deutschland wächst die Kluft zwischen Arm und Reich. International agierende Banker handeln, als hätten nationale Gesetze für sie keine Geltung. Die rot-grüne Regierung hat zwar nach 1998 das Einwanderungsrecht vom völkischen Muff befreit, aber noch immer werden Zuwanderer und Flüchtlinge wie Menschen zweiter Klasse behandelt. (uk)


Kurt Schumacher, auf dem SPD-Parteitag in den Westzonen 1946:

"Der deutsche Sozialismus ist enstanden aus der klassischen deutschen Philosophie und aus dem Ideengehalt der großen westeuropäischen Revolutionen, vor allen Dingen aus den Ideen von 1789... In den menschlichen Rechten der Freiheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, der Menschlichkeit sind auch alle Klassenrechte und Klassenforderungen der Arbeiterschaft enthalten."

zit. nach: "Nie kämpft es sich schlecht für Freiheit und Recht!", 150 Jahre SPD - ein Lesestück, hrsgb. von Helga Grebing, Susanne Miller u. Klaus Wettig, J.H.W. Dietz, Bonn2012, S. 61f

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Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

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