SDP-Anhänger mit Fahnen und Transparent auf Montagsdemo in Leipzig 1990
Quelle: Friedrich Gahlbeck / Bundesarchiv

Aufruf zur Gründung der SDP

Am 26. August 1989 tritt eine Initiative zur Schaffung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR an die Öffentlichkeit. Das Datum ist Programm. An diesem Tag jährt sich zum 200. Mal die Erklärung der Menschenrechte in der Französischen Revolution.



Ost-Berlin, Hauptstadt der DDR. Es ist der 26. August 1989, der 200. Jahrestag der Deklaration der Bürger- und Menschenrechte in der Französischen Revolution. Der Oppositionelle Markus Meckel liest im Abschlussplenum eines Menschenrechtseminars in der Golgathakirchengemeinde einen Aufruf zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei in der DDR vor.

Gründungsaufruf im Gotteshaus

Meckel und sein Mitstreiter Martin Gutzeit entstammen einem evangelischen Pfarrhaus. Beide wuchsen in kritischer Distanz zum sozialistischen Staat und seinen Forderungen auf. Seit langem engagieren sie sich in der Frieden- und Menschenrechtsbewegung. Seit Anfang 1989 werben sie für diese Parteigründung.

Parteigründung im Geheimen

„Natürlich konnte das nur verdeckt geschehen“, sagte Meckel später. In verschiedenen Anläufen entwerfen Gutzeit und er den Aufruf zur Gründung der Partei und stellen ihn am 24. Juli 1989 fertig. „Wir riefen dazu auf, sich zu diesem Projekt einer sozialdemokratischen Partei zu bekennen und den Kontakt zu uns aufzunehmen“, erinnert sich Meckel.

Untertanen sollen zu Bürgern werden


Der Gründungsaufruf ist eine radikale Kampfansage an die Einparteienherrschaft und zielt direkt auf das Machtmonopol der regierenden DDR-Staatspartei SED: Schaffung einer

sozialdemokratischen Partei mit dem Ziel die SED-Diktatur und ihren Unterdrückungsapparat abzuschaffen und an seine Stelle Rechtsstaat, frei gewählte Parlamente, soziale Marktwirtschaft mit besonderer Betonung der Ökologie, Menschenrechte, Freiheit der Medien und die alten Länder zu setzen.



Während der Veranstaltung schließen sich der damalige Studentenpfarrer in Greifswald Arndt Noack und Ibrahim Böhme an. Die vier legen den 7. Oktober 1989 für die Parteigründung fest – den 40. Jahrestag der DDR. Im September erweitert sich die kleine Gruppe. Damit soll für den Fall der Verhaftung einzelner Mitglieder sichergestellt werden, dass die Gründung trotzdem vollzogen werden kann.

„Mir lief ein Schauer über den Rücken“


Auch der spätere Mitbegründer und erste Vorsitzende der SDP, Stephan Hilsberg, kommt schnell dazu. „Mir lief ein Schauer über den Rücken. Dieser Moment hatte mich zum Sozialdemokraten gemacht. Da wollte ich dabei sein“, erinnert er sich an den Gründungsaufruf.



„Uns war klar, was die Existenz einer sozialdemokratischen Partei für die SED bedeuten musste. ‚Generalangriff’ kommentierte im August Erich Mielke auf der Politbürositzung Ende August 89 nur. Gorbatschows Rückzug aus den kommunistischen Satellitenstaaten Osteuropas schuf ein Machtvakuum, das die SED nicht mehr beherrschte, und das wir uns anschickten auszufüllen. Das Ende der SED würde auch das Ende der DDR bedeuten“, so Hilsberg.

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