Geburt von Fritz Erler
Quelle: dpa

Der Geburtstag Fritz Erlers

Seine Mutter ist Schneiderin, sein Vater Friseur: Als Fritz Erler am 14. Juli 1913 in Berlin geboren wird, weist – außer dem revolutionären Datum –nichts darauf hin, dass er der SPD den Weg in die Moderne weisen wird.

Helmut Schmidt nennt ihn sein Vorbild, ja seinen "politischen Erzieher". Er bewundert Erlers Redekunst, die Klarheit seiner Gedanken und seiner Sprache: "Erler spitzte zu und sagte, was er dachte." In den letzten zehn Jahren seines Lebens sei Erler "der in der ganzen deutschen Politik weit herausragende strategische Kopf" gewesen. Ein Mann, der sicher Außerminister und "ein hervorragender Bundeskanzler" hätte werden können.

Erler wird weder das eine noch das andere. Kaum älter als 50, erkrankt er an Krebs. Am 22. Februar 1967 stirbt er, gerade erst 54 Jahre alt. Noch vom Krankenbett aus ermutigt er die SPD, als Vorsitzender der Bundestagsfraktion, eine Große Koalition mit der Union einzugehen.

Zehn Jahre Zuchthaus
Helmut Schmidt findet erst nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Weg in die Politik. Erler, der nur wenige Jahre älter ist, hat ihm wesentliche Erfahrungen voraus. Als Adolf Hitler sich von willigen Abgeordneten zum Diktator ernennen lässt  – nur die SPD stimmt mit Nein – ist Erler seit zwei Jahren Sozialdemokrat und bereits Vorsitzender der Sozialistischen Schülergemeinde von Groß-Berlin – die 1933 prompt verboten wird.

1935 wird Fritz Erler Inspektor in der Berliner Stadtverwaltung, 1938 schon wieder aus dem Dienst entlassen. Die Nazis stellen ihn wegen seiner Aktivitäten für die Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" vor Gericht. 1939 verurteilt ihn Roland Freislers

"Volksgerichtshof" wegen "Vorbereitung zum Landesverrat" zu zehn Jahren Zuchthaus.

Neubeginn in Biberach
Erlers Leidensweg durch die Gefängnisse und Konzentrationslager des Hitler-Regimes endet erst Anfang 1945 – mit der Flucht aus einem Transport nach Dachau, wo ihn wohl der sichere Tod erwartet hätte.

Erler findet bis zur Ankunft alliierter Truppen Unterschlupf in Biberach. Dort setzen ihn die Amerikaner im Mai 1945, gleich nach der Kapitulation des Deutschen Reichs, als Landrat ein. Eine steile politische Karriere beginnt.

Erler redet niemandem nach dem Mund, auch den Besatzern nicht. Aber er lernt, fließend Englisch und Französisch zu sprechen. Das kommt ihm später als führendem Außenpolitiker der Nachkriegs-SPD zugute.


Willy Brandt und Fritz Erler bei seiner Wiederwahl zum stellvertr. Vorsitzenden auf dem Parteitag am 27.11.1964 in Karlsruhe (Quelle. SZ).

Auf dem Weg zu einem modernen Deutschland
1949 zieht Erler als Abgeordneter des Wahlkreises Rottweil-Tuttlingen in den ersten Bundestag ein. Bis 1965 wird er immer wiedergewählt.

Schon bald macht er sich einen Namen als Außen- und als Verteidigungspolitiker - Wehrpolitiker, wie man damals sagt. Dass die Bundeswehr sich dank "Innerer Führung" wesentlich von früheren Kadavergehorsamtruppen unterscheidet, ist vor allem sein Verdienst.

Früh setzt sich Erler von Kurt Schumachers Total-Opposition ab – obwohl er Schumacher bewundert. Neben Carlo Schmid, Herbert Wehner und Willy Brandt gehört er in den 1950er Jahren zu den Reformern in der SPD.

Erler macht sich über die "revolutionäre Phraseologie" der Parteisprache lustig und drängt die SPD, um neue Wählerschichten zu werben. Helmut Schmidt: "Das Godesberger Programm von 1959 ist ganz undenkbar ohne seine Arbeit."

Junge Politiker, die heute Vorbilder suchen – role models – tun gut daran, einen frischen Blick auf Fritz Erler zu werfen. Noch einmal Helmut Schmidt:

"Er war tapfer, kein Opportunist und kein guter Taktiker; er überzeugte mit Vernunft. Und er war nie verletzend…. Fritz Erler faszinierte uns Jüngere in seiner Kombination aus politischer Lebenserfahrung, aus Kompetenz, Autorität, Streitlust auch, und Engagement für die res publica." (uk)

Lesetipp: Helmut Schmidt, Staatsmann ohne Amt, gekürzte Fassung eines Vortrags in der Reihe "Profile des Parlaments“ der Ev. Akademie zu Berlin.

http://www.zeit.de/reden/portrait/200109_staatsmann_ohne/komplettansicht

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Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

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