Weimar Deutsches Nationaltheater
Quelle: Weimar GmbH, Guido Werner

Deutsches Nationaltheater in Weimar

Das Deutsche Nationaltheater (offizieller Name: Deutsches Na-
tionaltheater und die Staatskapelle Weimar, abgekürzt: DNT) blickt auf eine reiche Geschichte des Schauspiels und des Musiktheaters zurück, mit bedeutenden Intendanten, Regis-
seuren, Dirigenten, Schauspielern und Sängern und heraus-
ragenden Aufführungen.

Bei dem heutigen Gebäude handelt es sich um einen neoklassizistischen Bau von 1907/08, das ursprüngliche Gebäude aus dem Jahr 1825 wurde dafür abgerissen. An der Einweihung 1908 nahmen Kaiser Wilhelm II. sowie 70 Intendanten deutscher Theater teil. Auf die politische Bühne trat das Weimarer Theater am 9. November 1918, als während der 100. Aufführung von Schillers Maria Stuart Zuschauer die Vorstellung unterbrachen: "Nieder mit der monarchistischen Theaterei! Jetzt machen wir Theater!" 

Am 19. Januar 1919, dem Tag der Wahl zur Verfassunggeben-
den Nationalversammlung, taufte der neue Intendant, der Schriftsteller Ernst Hardt (1876–1947), das bisherige Hofthea-
ter in Deutsches Nationaltheater Weimar um. Als sich abzeich-
nete, dass in Berlin wegen der andauernden politischen Un-
ruhen ein geordnetes Arbeiten der Nationalversammlung an der geplanten republikanischen Verfassung nicht möglich sein würde, beschlossen die vorläufigen Reichsorgane den Umzug in das ruhige Weimar. 

Dort tagte vom 6. Februar bis 11. August 1919 die National-
versammlung im Theater. Am 31. Juli 1919 wurde die Verfas-
sung mit 262 Stimmen von MSPD, Zentrum und DDP gegen 75 Stimmen von DNVP, DVP und USPD verabschiedet. Am 11. August unterschrieb sie der am 11. Februar 1919 gewählte sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert in

Schwarzburg nahe Weimar. Die neue Verfassung war die erste republikanische, demokratische Verfassung in Deutschland und vom liberal-demokratischen Verfassungsdenken geprägt, das über den Verfassungskompromiss von Sozialdemokraten, katholischem Zentrum und Liberalen Eingang fand. Die historischen sozialdemokratischen Positionen bestimmten die Verfassung nur in wenigen Artikeln.

Nach ihrem Entstehungsort erhielt sie den Namen Weimarer Reichsverfassung (WRV); der neue demokratische Staat wird als Weimarer Republik bezeichnet. 

Bevor die Nationalversammlung nach Berlin in den Reichstag zurückkehren konnte, fand im Nationaltheater eine weitere bedeutende Abstimmung statt: Der von den Siegermächten mit dem Deutschen Reich, der jungen Republik, ausgehandelte Friedensvertrag von Versailles fand am 22. Juni die Unterstützung der Mehrheit der Nationalversammlung.

MSPD, USPD, Zentrum und sechs Abgeordnete der DDP stimmten zu, die rechtsliberale DVP, die nationalistische DNVP und die Mehrheit der linksliberalen DDP stimmten dagegen. Der MSPD-Reichskanzler Philipp Scheidemann (1865–1939) verweigerte sich der Zustimmung und trat zurück.

Die erste Regierungskrise der Weimarer Republik war da, am 21. Juni 1919 wurde Gustav Bauer (MSPD/1871–1944) sein Nachfolger. Während der Weimarer Republik war das National-
theater häufig ein Ort symbolischer Politik, den Republik-
anhänger und -gegner für ihre Auftritte nutzten. 

Vom 11. bis 15. Juni 1919 tagte im Nationaltheater der erste Parteitag der MSPD seit der Parteispaltung 1916/17 und

der Novemberrevolution 1918. Trotz heftiger Auseinandersetzungen über den Kurs der Partei blieb die Parteieinheit bewahrt. Neue Vorsitzende wurden Her-
mann Müller (1876–1931) und Otto Wels (1873–1939). Ab 1924 veranstalteten die Nationalsozialisten regelmäßig Parteitage im Nationaltheater, 1926 sogar ihren Reichspartei-
tag. Der Spielplan des Theaters, der in den Anfangsjahren der Republik die literarische Moderne und neue Theaterformen präsentierte, war im völkisch-nationalen Weimar bald Einschränkungen unterworfen. 

Die Zusammenarbeit mit dem Bauhaus endete mit dessen Vertreibung aus Weimar (1925). Das vom Krieg stark zerstörte Nationaltheater öffnete schon 1948. Als bedeutender Gast hielt Thomas Mann dort zum 200. Geburtstag Goethes am 28. August 1949 seine berühmte Ansprache an die Deutschen. Am Haus befindet sich seit dem 28. August 1948 eine Gedenktafel mit der Inschrift: Durch die vom Faschismus entfesselte Kriegsfurie vernichtet – in schwerer Zeit mit großen Opfern neu erbaut – wurde dieses Haus dem deutschen Volke übergeben, den Weg zu weisen zu wahrem Menschentum.

(Quelle: Klaus Wettig, Orte der Sozialdemokratie, vorwärts buch, Berlin 2013.)

Deutsches Nationaltheater und die Staatskapelle Weimar
Theaterplatz 2
99423 Weimar
Tel: 03643 / 7550
www.nationaltheater-weimar.de


Montag von 14 bis 18 Uhr,
Dienstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr
sowie Sonn- und Feiertag von 10 bis 13 Uhr.

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