Gewerkschaftshaus in Kiel
Quelle: Archiv des Gewerkschaftshauses Kiel

Matrosenaufstand in Kiel

Die Novemberrevolution 1918, der Sturz der Monarchie, nahm ihren Ausgang in Aktionen der Matrosen der kaiserlichen Kriegsflotte, die ein Auslaufen in Wilhelmshaven und Kiel zu einer letzten "ehrenvollen" Seeschlacht mit dem Untergang der Flotte verhinderten. 

Nach einem Flottenbefehl von Admiral Reinhard Scheer (1863–
1927) sollte die Flotte auslaufen und die "letzte Entscheidungs-
schlacht" mit der britischen Flotte suchen, "auch wenn sie ein Todeskampf wird!" Diesem Befehl stellten sich die Schiffsbesat-
zungen in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 1918 entge-
gen und verweigerten sich den Befehlen.

Die dramatischen Auseinandersetzungen führten dazu, dass ein Teil der Flotte nach Kiel zurückbeordert wurde. Im Konflikt mit dem reaktionären Offizierskorps gewannen schrittweise die Mannschaften die Oberhand, wobei in der Führung zunehmend Sozialdemokraten zu Sprechern wurden.

Auch die Unterstützung an Land ging von den sozialdemokra-
tischen Parteiorganisationen aus (MSPD und USPD). Trotz gewaltsamer Auseinandersetzungen hatten sich in Kiel am 4. November die revoltierenden Matrosen durchgesetzt, auf den Schiffen hissten sie als Zeichen der Revolution die rote Flagge. 

In den weiteren Verlauf schaltete sich ab dem 4. November der Regierungsbeauftragte, der SPD-Reichstagsabgeordnete Gustav Noske (1868–1946) ein, dessen Ziel das Eingrenzen der revolutionären Aktionen war. Da die revolutionären Matro-

sen Gustav Noske großes Vertrauen entgegenbrachten, wähl-
ten sie ihn zum Vorsitzenden des Soldatenrates. Doch er schei-
terte mit seiner Absicht, den revolutionären Impuls zu beruhi-
gen. Von Wilhelmshaven und Kiel breitete sich die Revolution im gesamten Deutschen Reich aus. Am 9. November 1918 hatte sich in nahezu jeder Garnison ein Soldatenrat gebildet. 

Am 7. November rief Kurt Eisner in Bayern die Republik aus. Am 8. November dankten die Fürsten in Sachsen, Hessen und Württemberg ab, am 9. November der Kaiser. Philipp Scheide-
mann (1865–1939) rief vom Reichstag die Republik aus, Karl Liebknecht (1871–1919) versuchte das Kontrastprogramm mit der Ausrufung der Freien sozialistischen Republik vom Stadt-
schloss in Berlin aus. 

An den Kieler Anstoß zur Novemberrevolution erinnerte jahr-
zehntelang nichts. Erst seit 1982 wird mit einer Plastik von Hans-Jürgen Breuste (1933–2012) im Ratsdienergarten dem Matrosenaufstand gedacht. 

An den Sitz des Soldatenrates im DGB-Haus in der Legien-
straße erinnert eine Gedenktafel. Der Toten gedenkt eine Tafel in der Feldstraße, die Gefallenen wurden auf dem Parkfriedhof Eichhof und auf dem Nordfriedhof beigesetzt. 

2011 wurde der Bahnhofsvorplatz von Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) in Platz der Kieler Matrosen umbenannt.

(Quelle: Klaus Wettig, Orte der Sozialdemokratie, vorwärts buch, Berlin 2013.)

DGB-Haus Kiel
(Sitz des Soldatenrates)
Legienstraße 22
24103 Kiel
0431 / 51951000
www.gewerkschaftshaus-kiel.de

Sehenswürdigkeiten:
Im Kieler Schifffahrtsmuseum gibt es eine Ausstellung zu den Ereignissen. Wegen umfangreicher Sanierungs- und Umbau-
arbeiten ist das Museum seit November 2010 geschlossen.
Seit mehr als 30 Jahren befindet sich das Museum in der his-
torischen Fischhalle am Wall, und der Betrieb ist nicht spurlos am 100-jährigen, denkmalgeschützten Gebäude vorüberge-
gangen. Mit der Wiedereröffnung des Schifffahrtsmuseums ist erst im Sommer 2013 zu rechnen.

Meilensteine 2015 werden geladen

Meilensteine 2015 werden geladen...

Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

Zum Artikel.