2013 Stelen-Enthüllung mit Barbara Hendricks
Quelle: Bea Marquardt

Gedenk-Stelen vorwärts-Haus

"Wir erinnern an die Opfer, die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten für die Demokratie in Deutschland gebracht haben," sagt die Schatzmeisterin der SPD, Barbara Hendricks, zur Einweihung des neuen Denkmals: "Und schließlich erinnern wir auch daran, dass Demokratie nur dann lebendig ist, wenn sie zur Lebensweise wird: bei Wahlen, in Kommunen, in Betrieben, in Schulen, in Vereinen."

Orte lebendiger Demokratie, das sind die sozialdemokratischen "Häuser des Volkes", die bis 1933 in vielen deutschen Städten stehen – einem belgischen Vorbild folgend. Sie sind weit mehr als Parteizentralen. Sie sind Treffpunkte, Versammlungsorte, sie beherbergen Gaststätten, Buchhandlungen und Verlage.

Vorwärts – und nicht vergessen…
Das größte Haus des Volkes steht dort, wo in Berlin-Kreuzberg die Lindenstraße auf den einstmals prächtigen Belle-Alliance-Platz stieß. Das Lindenhaus. Für viele auch: das vorwärts-Haus. Redaktion, Verlag und Druckerei des SPD-Zentralorgans residieren im Lindenhaus: ein Geschenk des langjährigen Parteivorsitzenden Paul Singer an die Partei.

Heute halten rund um die Stelen Straßennamen die Erinnerung an Redakteure der Parteizeitung wach: an Franz Mehring, an Friedrich Stampfer – einen der Mitautoren der berühmten Rede Otto Wels‘ gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz -, an Franz Klühs, der 1938 von den Nazis umgebracht wird. Dort, wo die Franz-Klühs-Straße auf die Lindenstraße stößt, ruft am 22. April 2013 Barbara Hendricks die Verbrechen des Jahres 1933 in Erinnerung: "Der Ort Lindestraße 2-4 steht für eine große Epoche in der Geschichte der ältesten demokratischen Partei Deutschlands. Diese Geschichte riss 1933 abrupt ab."

Die Nazis haben versucht, solche Erinnerung unmöglich zu machen. Unabhängige Medien gibt es im März 1933 in Deutschland nicht mehr. Hitlers Gegner sind im KZ oder auf der Flucht. Mit den SPD-Parteihäusern fallen auch die Parteiarchive in die Hände der Nazis und werden vernichtet.

Franz Klühs arbeitete von 1920 bis 1933 als Redakteur beim vorwärts.(Quelle: Bea Marquardt)

Nach 1945 wird es große Mühe bereiten, auch nur aufzulisten, was der SPD gestohlen worden ist.

Verrat an der Demokratie
Die Schatzmeisterin erwähnt am 22. April 2013 aber auch noch ein anderes dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Eines, das die Arbeiterbewegung selbst geschrieben hat. Wenige Wochen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, der "Abdankung" des

Kaisers und der Ausrufung der Republik, im Januar 1919, überfallen "Spartakisten" das vorwärts-Haus. Sie halten es für mehrere Tage gewaltsam besetzt. Die sozialdemokratisch geführte Reichsregierung lässt das Haus schließlich stürmen. Es kommt zu erbitterten Kämpfen.

Der Spartakusaufstand wird blutig niedergeschlagen. Kommunisten werden daraus die Legende stricken: "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten". Ein verbales Gift, das bis heute nachwirkt.

Manuela Schleswig, Frank-WalterSteinmeier und Barbara Hendricks bei der Stelen-Enthüllung. (Quelle Hendrik Rauch)

Der Spartakusaufstand ist ein Anschlag auf die soeben erst ausgerufene Republik. Den Spartakisten geht es um die Errichtung eines Rätesystems. Barbara Hendricks: "Es ging damals um nicht weniger als die Frage: wird in Deutschland nach russischem Vorbild eine Diktatur des Proletariats errichtet, oder wählt das Volk eine verfassunggebende Versammlung für eine parlamentarische Demokratie?" 

Die SPD habe sich im Januar 1919 ganz klar für die Demokratie entschieden. "Das ist etwas, worauf wir in der Demokratiegeschichte stolz sein können." (uk)

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