Herta Däubler-Gmelin mit Denzel Washington und Ralf Möller
Quelle: dpa

Die schwäbische "Schwertgosch"

Wer für Gerechtigkeit kämpft, muss Niederlagen wegstecken und Austeilen können. Beides liegt Herta Däubler-Gmelin. Am 30. August 1988 wird sie zur ersten stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Die rote Herta, so ihr Spitzname, gilt als schwäbische "Schwertgosch", was in etwa heißt, sie ist rechthaberisch, extrem streitlustig, duldet keinen Widerspruch. Ihre Kontrahenten schätzen ihren hochtourigen Sachverstand, die politische Gradlinigkeit, ihre Auffassungsgabe.

Viele verschreckt so viel Power. Davon profitieren vor allem Minderheiten und Menschen, die nicht so stark sind. Zuletzt bemüht sich die Reformerin in Tunesien und Zimbabwe, in Jemen und in Vietnam um Menschenrechts- und Verfassungsfragen.

Als Gastprofessorin tritt die frühere Bundesjustizministerin (1998 – 2002) 2011 an der Aachener RWTH für die Menschenwürde in der Bioethik ein: Forschung mit Embryonalstammzellen kommt für sie nicht in Frage.

2012 klagt sie für 15 000 Bürger vor dem Bundesverfassungsgericht gegen Euro-Rettungsschirm und Fiskalpakt. Der Mensch darf nicht zum Objekt gemacht werden, dieses Credo bestimmt ihren Kampf um Menschenwürde.

Das Streiten hat die gebürtige Pressburgerin früh beim Vater gelernt, der 20 Jahre parteiloser Oberbürgermeister von Tübingen war. Der Vater riet zum Jura-Studium. Die Tochter wollte Musikwissenschaften studieren, wäre gerne Sängerin geworden, wie sie 1990 im FAZ-Fragebogen schreibt. Ihre Lieblingsheldinnen: die Suffragetten und Scheherazade.

In der SPD wird sie 1988 erste stellvertretende Parteivorsitzende in der SPD-Geschichte, arbeitet 37 Jahre loyal im Bundestag mit: warnt vor den Gefahren der Genmanipulation, wirbt für die doppelte Staatsbürgerschaft von Ausländern, tritt vehement für die Rechte der Frauen ein.

Außerhalb des Parlaments tritt sie als Initiatorin eines Menschenrechtsdialogs mit China auf, ist bereits Aktivistin der Hospizbewegung, als das Thema noch niemanden interessiert. 1993 scheitert ihr Versuch, Richterin am Bundesverfassungsgericht zu werden.

Ihren Fauxpas mit dem ominösen Bush-Hitler-Zitat blendet sie bis heute aus ihrem Lebenslauf aus. Sie hält es lieber mit der Lebensweisheit ihrer Mutter: "Wer weiß, wofür es gut ist?" Sie verzichtet 2002 auf eine zweite Amtszeit als Justizministerin. Seit 2005 ist die mehrfache Großmutter Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses. Sie besucht Lager der Darfur-Flüchtlinge im Tschad und hilft verfolgten ausländischen Politikern, die, wie sie, für Menschenrechte kämpfen. (mm)


Herta Däubler Gmelin ist von 1998 bis 2002 Bundesministerin der Justiz. (Quelle: dpa)

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