Heidemarie Wieczorek-Zeul
Quelle: dpa

Für den Frieden kämpfen

1974 wird mit Heidemarie Wieczorek-Zeul erstmals eine Frau an die Spitze der Jusos gewählt. Ihrer linken Position bleibt die "rote Heidi" stets treu.

Mit dem Wort Frieden verbindet man eine Taube. Oder den Friedensnobelpreis. Eher weniger kommt einem Heidemarie Wieczorek-Zeul in den Sinn. Dabei kümmert sich die Reformsozialistin, wie sie sich selbst nennt, beeindruckend um den Frieden in der Welt. Das klingt zwar pathetisch. Aber getreu ihrem Motto "Lieber rot als blass" hat sie vor allem während ihrer Zeit als SPD-Bundesentwicklungsministerin (1998-2009) eminent viel bewirkt.

Die Liste ihrer Erfolge ist lang – und ziemlich unübersichtlich: Neuausrichtung der Weltbank. Aufbau eines Steuersystems in Ghana. Kampf gegen Aids. Engagement gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten. Gegen die Genitalverstümmelung. Für die atomare Abrüstung. Gegen die ihrer Meinung nach ungerechten Handelsbeziehungen zu Lasten der Entwicklungsländer. Zu ihren größten Erfolgen zählt die profilierte Sozialdemokratin die Entschuldung der ärmsten Entwicklungsländer, die 1999 auf dem Kölner Weltwirtschaftsgipfel beschlossen wurde.

Seit sie 1987 in den Bundestag einzog, hat sie stets klar Position bezogen. Wie es heißt, ist sie dabei keinem Streit aus dem Weg gegangen. Das lernte sie früh. Als Tochter eines Lebensmittelhändlers kämpft sie gegen den Vater, der ihr den Besuch des Gymnasiums untersagen will. Sie wird Lehrerin für Englisch und Geschichte (1965-1978) und wird SPD-Stadtverordnete in Rüsselsheim. 1979 wird sie ins erste direkt gewählte Europaparlament gewählt. Friedenspolitik und Gewaltprävention sind fortan ihre "politischen Leitthemen".

Die rote Heidi
Ihr Image als "rote Heidi", wie sie mal liebevoll, mal geringschätzig genannt wird, erwirbt sie Mitte der 70er-Jahre: als Juso-Vorsitzende mit klaren linken Positionen. Sie ist die erste Frau in dieser Position. Als Bundesministerin setzt sich Wieczorek-Zeul wie kaum einer ihrer Vorgänger pragmatisch-klug dafür ein, dass die Entwicklungspolitik mehr Geld bekommt. Daran lässt sie sich messen. Sie reist nach Kuba, demonstriert gegen den Irak-Krieg, trifft sich mit dem Dalai Lama. "Welt bewegen" heißt ihr Buch, in dem sie 2007 auf ihre Zeit als Ministerin zurückblickt. 

Mittlerweile ist die 70-Jährige Bundestagsabgeordnete für ihre Heimatstadt Wiesbaden und Schirmherrin von Work for Peace, dem Schüleraktionstag für Afrika, der seit 2005 vom Weltfriedensdienst durchgeführt wird. Als Motivation für ihr Engagement zitiert sie ihr Vorbild Willy Brandt: "Auch wir können in unseren Ländern auf Dauer nicht in Frieden leben, wenn es Regionen gibt, in denen Menschen in absoluter Armut leben." (mm)

In der vorwärts-Reihe "Gelebte Politik" blickt Heidemarie Wieczorek-Zeul auf ihre politische Karriere und ihr Wirken zurück:


(Quelle: vorwaerts)

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