Anna Nemitz
Quelle: FES / AdsD

Im Kampf gegen Armut

Anna Nemitz stammt selbst aus einer Arbeiterfamilie. Zeit ihres Lebens setzt sie sich für soziale Gerechtigkeit ein. 1962 stirbt sie in Berlin.

Im Jahre 1952 berichtet die bekannte Köpenicker Sozialdemokratin Anna Nemitz an ihren Kreisvorstand: "Heute kamen junge Leute mit FDJ-Abzeichen und verlangten mich zu sprechen. Als ich herunterkam, hatten sie bereits ein großes Plakat an die Haustür genagelt. Auf dem Plakat stand: 'Hier wohnt das SPD-Mitglied Anna Nemitz. Sie stimmte dem verbrecherischen Beschluss des Westberliner Senats über das Verbot der demokratischen Organisationen FDJ und FDGB … zu. Berliner! Protestiert gemeinsam mit uns gegen diesen Beschluss und gegen Anna Nemitz.'"

Die Berliner Stadtälteste Anna Nemitz ist in ganz Berlin keine Unbekannte. Als Anna Voigt am 3. Januar 1873 im damaligen Bromberg geboren, hat Anna Nemitz die Geschichte der SPD, nicht nur in Berlin und Köpenick wesentlich mitgeprägt.

1893 tritt sie, einer kinderreichen Arbeiterfamilie entstammend, im Alter von 20 Jahren in die SPD ein. Von 1911 an lebt sie in Berlin. Zwischen 1917 und 1922 engagiert sie sich in der USPD, danach ist sie bis 1933 Reichstagsabgeordnete und Mitglied des Parteivorstands der SPD. Großen Mut beweist sie in der Nazizeit: Versteckt im Heizungskeller ihres Hauses in Köpenick bewahrt Anna Nemitz den Nachlass des SPD-Reichstagsabgeordneten – und Lebensgefährten ihrer Tochter  – Julius Moses auf, der von den Nazis in Theresienstadt ermordet wurde.

1945 gehört Anna Nemitz zu den Mitbegründerinnen der SPD in Köpenick und der Arbeiterwohlfahrt (AWO). 1946 wird sie politische Sekretärin der SPD, 1950 als Ostberlinerin Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Westberlin. Zu ihrem 80. Geburtstag 1953 verleiht ihr der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter die Würde der Stadtältesten.Als sie 1962 stirbt, nur wenige Monate vor ihrem 90. Geburtstag, trennt die Mauer die beiden Stadthälften. Im Krematorium Baumschulenweg im Ostteil der Stadt findet unter großer Anteilnahme ihre Einäscherung statt, erst Wochen später kann sie auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof beigesetzt werden. Die Trauerrede hält der spätere Bundeskanzler Willy Brandt. Heute ist eine Brücke nach ihr benannt, die die Bezirke Köpenick und Neukölln miteinander verbindet. (sh)

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