Hans Apel, 1974-1978 Bundesminister der Finanzen, 1978-1982 Bundesminister der Verteidigung
Quelle: imago

Minister mit Ecken und Kanten

Es ist ein fiskalisches Problem, das eine seiner vielen flinken Äußerungen zum Kernbestand des deutschen Zitatenschatzes werden lässt. Nach der Rückkehr von einer USA-Reise entfährt Hans Apel 1975 auf die Frage, was er denn zum neuerlichen Haushaltsloch zu sagen habe: "Ich glaub' mich tritt ein Pferd".

Prophylaktisch erklärt der "Mann der flinken Zunge" 1978 im Bundestag: "Wenn sie sich über mein Temperament beklagen wollen, stimme ich Ihnen von vornherein zu". Das Protokoll notiert danach "anhaltende Heiterkeit". Die ist bei Hans Apels Auftritten nicht durchweg gewährleistet, denn der Hanseat versteht es zu polarisieren. Als der bekennende Christ während des Evangelischen Kirchentages 1981 den NATO-Doppelbeschluss verteidigt, wird er von wütenden "Friedensfreunden" mit Tomaten beworfen.

Geboren wird Hans Apel am 25. Februar 1932 in Hamburg-Barmbek. Noch während seiner Schulzeit entdeckt er seine erste große Liebe, der er sein Leben lang treu bleiben wird: den FC St. Pauli.

Nach dem Abitur absolviert Apel zunächst eine Kaufmannslehre und studiert ab 1954 Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hamburg. Der Protest gegen die drohende Wiederbewaffnung führt ihn 1955 in die SPD. Damit beginnt Apels stetige, beinahe unaufhaltsame Karriere, die ihn über das Europäische Parlament, wo er als Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Finanzpolitik zuständig ist, 1965 als Abgeordneten in den Bundestag trägt.

1972 wird Hans Apel Parlamentarischer Staatssekretär für Europafragen im Auswärtigen Amt. Am 16. Mai 1974 beruft ihn Helmut Schmidt zum Bundesminister der Finanzen. Vier Jahre später wird Apel nach einer Kabinettsumbildung Verteidigungsminister und das in doppeltem Sinne, denn keiner verteidigt die "Nachrüstungspolitik" so nachhaltig wie Hans Apel. Nicht zuletzt dieses Engagement lässt ihn zu Helmut Schmidts "Kronprinzen" aufsteigen. 

Nach der "Wende" aber findet der "Hardliner" Hans Apel nur noch wenig Gehör. Verbittert zieht er sich 1990 aus der aktiven Politik zurück. Am 6. September 2011 stirbt der selbstbewusste Volksvertreter Hans Apel, der über 10000 Hausbesuche auf seiner "Habenseite" notiert hat, in Hamburg. (lp)

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