Nimala Kharoufeh
Quelle: Michael Stoyke / WBC

Ganz im Sinne Willy Brandts

Nimala Kharoufeh ist Willy Brandt nie begegnet. Aber er hat ihr Leben verändert. Nimala Kharoufeh ist in Ost-Jerusalem aufgewachsen. Sie ist Palästinenserin. Sie ist Christin. Sie ist eine Frau. Keine guten Voraussetzungen, in der aufgeladenen Atmosphäre des „gesegneten Landes“ Politik zu machen. Genau das tut sie aber. Man könnte die Art der Politik, die sie betreibt, Entspannungspolitik nennen. Ganz im Sinne Willy Brandts.

2004 wurde Nimala Kharoufeh zur Vorsitzenden der Studentenschaft an der palästinensischen Bethlehem University gewählt. Als erste Frau. Als erste Christin. Es war die Zeit der Intifada. Einmal mehr hatten auf beiden Seiten des Nahostkonflikts die Scharfmacher das Sagen. Zwischen den Fronten saß und sitzt das Willy-Brandt-Center (WBC), genau auf der "Grünen Linie" zwischen dem israelischen Jerusalem und palästinensischen Vororten. 

Nach ihrem Examen erhielt Nimala von der Fatah-Jugend den Auftrag, Kontakt zum WBC zu halten. Eigentlich um die Arbeit des WBC zu torpedieren. Diese Arbeit besteht darin, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die sich sonst allenfalls anschreien.

Eine Weltsicht ändert sich
Das WBC ist eine Gründung der Jusos und wird von einem Förderverein getragen. Nimala beschreibt es so: "Das WBC wirbt für Normalisierung. Wir waren gegen Normalisierung." Durch ihre Kontakte im WBC hat sich Nimalas Weltsicht geändert. "Ich erkannte: Auch hinter der Mauer leben Menschen."

Die Erkenntnis sei wie ein Schock über sie gekommen. "Es ist leichter, Menschen zu töten, die Du nicht kennst." Dass sie sich veränderte, erkannten auch ihre Mitstreiter aus der Fatah. Nimala hat damals oft gehört: "Rede nicht mit Israelis! Rede nicht mit Mördern! Du verrätst Dein Volk!" Der Fatah-Führung gehörten nur Männer an. "Es war so hart," sagt Nimala. Lächelnd.

"Niemand kann Jerusalem besitzen"
Als knapp Dreißigjährige strahlt Nimala Kharoufeh eine große Ruhe aus. Die Ruhe eines Menschen, der seine Überzeugung gefunden hat. Für sie gibt es keine Mauern oder Wände zwischen Christen, Muslims, Juden mehr, sondern nur: Menschen. Was für sie auch heißt: "Niemand kann Jerusalem besitzen." Jerusalem müsse eine "offene Stadt" für alle werden.

Das ist eine Vision. Aber auch das hat Nimala Kharoufeh bei Willy Brandt und den Jusos gelernt: Visionen entfalten Kraft. Diese Kraft kann ansteckend sein. Von Staaten verlange sie "nur" eines: "Dass sie meine Würde respektieren und die Freiheit des Wortes." (uk)

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