Hilde Ephraim
Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Ein Stolperstein für Hilde Ephraim

1940 wird Hilde Ephraim nach drei Jahren Zuchthaus von den Nazis ermordet. Heute erinnert an sie eine Straße in Berlin.

Der idyllisch gelegene Bahnhof Grunewald war ein Ort des Grauens. Hier wurden zwischen 1941 und 1944 mehr als 50 000 jüdische Berlinerinnen und Berliner in Züge gepfercht und in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Geradewegs zum Mahnmal am Gleis 17, wo 185 Todeszüge abfuhren, führt die Hilde-Ephraim-Straße.

Mit ihr wird an eine antifaschistische Widerstandskämpferin erinnert. Die junge Sozialdemokratin ist nicht deportiert oder – wie so viele, die es wagten, sich gegen die Hitlerdiktatur aufzulehnen – hingerichtet, sondern auf andere perfide Weise umgebracht worden: Nach drei Jahren Zuchthaus zermürbt, entkräftet und verwirrt, wurde sie in das Aktion T4 genannte Euthanasie-Programm der Nazis eingereiht und so geräuschlos getötet.   

Hilde Ephraim ist am 1. April 1905 in Berlin geboren. Sie war Fürsorgerin – heute sagen wir: Sozialarbeiterin – in Brandenburg an der Havel und trat 1931 der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD/SAP), einer Abspaltung der SPD, bei. Das war damals für manche junge Sozialisten, die den Kurs der SPD in der Weimarer Republik kritisch sahen, nicht ungewöhnlich; auch Willy Brandt war zeitweise SAP-Mitglied.

Leben im Untergrund
In Brandenburg zählte Hilde Ephraim zu den aktiven Köpfen der SAPD und schloss sich, nachdem sie wegen ihrer jüdischen Herkunft und ihrer Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie entlassen worden und nach Berlin umgezogen war, 1933 dem Untergrundkampf an. Dort war sie für die Rote Hilfe verantwortlich, die sich in der Illegalität um Familien von aus politischen Gründen Verhafteten kümmerte. 1936 wurde sie selbst verhaftet, misshandelt und 1937 vom Volksgerichtshof zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie war in Lübeck und Amberg eingesperrt. 

Wie Hans-Rainer Sandvoß, Mitglied der Historischen Kommission der SPD, von einer Gefährtin Hilde Ephraims erfuhr, war die kleine, zarte Frau der Haft nicht gewachsen und so verzweifelt, dass sie Nahrung verweigerte und in geistige Umnachtung fiel. Daraufhin wurde sie, nicht lange vor der geplanten Entlassung, in der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz am Rhein am 20. September 1940 umgebracht.

Um das Andenken an Hilde Ephraim zu bewahren, hat SPD-Mitglied Lothar Lewien aus der Abteilung Wilmersdorf-Nord angeregt, vor dem Haus Bayerische Straße 20, wo Hilde Ephraim zuletzt wohnte, einen Stolperstein zu setzen. (hl)

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