Regine Hildebrandt
Quelle: dpa

"Mutter Courage des Ostens"

Die Zahl ihrer Auszeichnungen ist Legion: Gustav-Heinemann-Preis, Hamm-Brücher-Medaille und Fritz-Bauer-Preis, schließlich die Ernennung zu Deutschlands "Frau des Jahres 1991". Viel Ehre für eine Frau, die sich nach eigenem Bekunden eigentlich nie für Politik interessiert hat.

Nach der Wende erkennt Regine Hildebrandt, dass politisches Engagement gebraucht wird, um die nötigen Veränderungen des DDR-Systems herbeizuführen und mischt sich ein, zuerst bei "Demokratie jetzt", danach in der neugegründeten Sozialdemokratie der DDR. In der ersten freigewählten Regierung der DDR bekleidet die promovierte Biologin das Amt der Ministerin für Arbeit und Soziales. Diesen Posten übernimmt sie ab November 1990 auch in der brandenburgischen Landesregierung.

Regine Hildebrandts Kampf für Gerechtigkeit wird gelegentlich von schroffen Tönen begleitet. Zögerlichkeit mag sie gar nicht. Egal wie schwierig die vor ihr liegende Aufgabe ist, sie sagt: "Erzähl mir doch nich, dasset nicht jeht." Ihr Witz und ihre Schlagfertigkeit machen sie zur gesamtdeutschen Ikone, weil sie gleichzeitig überzeugte Bundesbürgerin und bekennende DDR-Frau ist.

Der "Mutter Courage des Ostens" gelingt es, den Leuten klarzumachen, wie toll es ist, "dass wir die Diktatur weghaben". Gleichzeitig gesteht sie, dass man auch bei der Demokratie manchmal kalte Füße kriegt. Sarkastisch konstatiert sie bald nach der Wende: "Heute können wir rausbrüllen, was wir wollen, aber es hört keiner zu."

Als sie 1996 schwer erkrankt, erklärt sie: "Entscheidend ist nicht die Länge des Lebens, sondern dass man sein Leben weiterführen kann, so wie man es für richtig hält." Nach ihrem Tod am 26. November 2001 schreibt jemand ins Kondolenzbuch: "Politik habe ich nicht verstanden, aber Sie habe ich verstanden." (Lothar Pollähne)

Meilensteine 2015 werden geladen

Meilensteine 2015 werden geladen...

Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

Zum Artikel.