Mathias Brodkorb, Bildungsminister in Mecklenburg-Vorpommern
Quelle: Hendrik Rauch / vorwärts

Mit Humor gegen Rechts

Ein Storch mit Hitlerbärtchen hat ihn bundesweit bekannt gemacht: Mathias Brodkorb. Der 35-jährige Sozialdemokrat aus Rostock ist einer der Mitbegründer des satirischen Modelabels "Storch Heinar" und der Internetseite "Endstation Rechts".

Ein wenig kränklich sieht er aus, der klapprige "Führerstorch" mit Hitlerbart und Stahlhelm. Seine Botschaft aber ist klar und deutlich: "Ich höchstpersönlich werde bei der Landtagswahl 2011 in Meck-Pomm erstmals antreten und den braunen Brüdern ordentlich zeigen, wo Thors Hammer hängt", wettert die Kunstfigur gegen die NPD. 

"Im Zusammenhang mit dem im Jahr 2007 eröffneten Nazi-Laden in der Rostocker Innenstadt haben wir zunehmend darüber diskutiert, ob man diesem Geschehen nicht besser auf ganz neue Weise begegnen sollte – zum Beispiel einfach durch Gründung einer eigenen satirischen Modemarke", erinnert sich Mathias Brodkorb auf "Endstation Rechts". 

Cleveres Spiel mit Nazi-Symbolik
Schnell steht der erste Entwurf zu "Storch Heinar", das die unter Neonazis beliebte Modemarke "Thor Steinar" persifliert und nationalsozialistische Ästhetik aufs Korn nimmt. So gibt Brodkorb zusammen mit seinen Mitstreitern Robert Patejdl und Julian Barlen parallel zur Entwicklung des Modelabels ein "von Storch Heinar selbst gefälschtes Tagebuch" in 18 Episoden heraus. Der Titel: "Mein Krampf". Auch die Anzahl der Episoden ist bewusst gewählt. "18" steht in der rechtsextremen Szene als Synonym für die Initialen Adolf Hitlers.

Das brandenburgische Nazi-Label "Thor Steinar" reagiert wenig amüsiert auf die Gründung von "Storch Heinar" und reicht Klage beim Landgericht Nürnberg-Fürth ein. Streitwert: 100.000 Euro. Der Vorwurf: Markenrechtsverletzung und Verunglimpfung. "Thor Steinar" verliert jedoch in doppelter Hinsicht: Nicht nur weist das Gericht im Sommer 2010 die Klage ab; gleichzeitig hat der Fall ein solch großes Medienecho erregt, das der klapprige Storch fortan im ganzen Land bekannt ist.

Mit Storchenkraft gegen die NPD
Mit seiner Ernennung zum Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns 2011 bleibt Brodkorbs politischer Einsatz gegen Rechtsextremismus ungebrochen. Die Leitung von "Endstation Rechts" und "Storch Heinar" aber übergibt er Anfang Oktober 2011 seinem Genossen Julian Barlen, der im Wahlkampf mit der Satireband "Storchkraft" musikalisch Flagge zeigte..

Den Einzug in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns schafft die NPD trotz des Storcheneinsatzes. Es ist deshalb nach wie vor notwendig, gegen ausländer- und demokratiefeindliche Strömungen vorzugehen. Im Interview mit dem Deutschlandradio dringt Brodkorb darauf nicht aufzugeben:

"Die NPD hat trotz deutlich sinkender Wahlbeteiligung massiv an Stimmen verloren, hat ja auch ein Mandat abgeben müssen, insofern würde ich sagen, bei dem weinenden Auge gibt es auch ein lachendes, nämlich trotzdem eine Schwächung der NPD. Und so wie die NPD es geschafft hat, über viele Jahre Schritt für Schritt sich zu etablieren, so glaube ich, wird es auch viele Jahre brauchen, sie wieder kleinzuschrumpfen. Aber ich bin relativ optimistisch, dass das gelingt." (ms)

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