Julius Leber vor dem Volksgerichtshof
Quelle: AdsD / Friedrich-Ebert-Stiftung

Ein Mann der Tat

Seinen Einsatz für die Demokratie zahlte Julius Leber mit seinem Leben. Am 20. Oktober 1944 verurteilte der "Volksgerichtshof" den Sozialdemokraten zum Tode. 

Dieses Bild hat sich in das kollektive Gedächtnis des Widerstands gegen den Nazi-Terror eingebrannt: Da steht ein Mann, ernsthaft und aufrecht, seine Hände suchen Halt an den Reversspitzen seines Sakkos. Er weiß, dass der Mann, vor dessen Stuhl er am 20. Oktober 1944 steht, ihn gleich zum Tode verurteilen wird, aber er bleibt gefasst, denn eines möchte er dem Rechtsverbrecher Freisler nicht gönnen: das gnadenlose Niederbrüllen, das den meisten seiner Mitangeklagten widerfahren ist.

Kurz vor seiner Ermordung schreibt Julius Leber an seine Freunde: "Für eine so gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis. Wir haben getan, was in unserer Macht gestanden hat. Es ist nicht unser Verschulden, dass alles so und nicht anders ausgegangen ist."

Der Mann, dessen ganzes Leben Tat war, wie es sein Freund Gustav Dahrendorf beschrieben hat, wird am 16. November 1891 im elsässischen Städtchen Biesheim in eine ländlich-proletarische Familie geboren. Dem Pfarrer verdankt er den Besuch der Mittelschule, seiner eigenen Arbeit als Lokalreporter und Nachhilfelehrer den Besuch der Oberrealschule. 

Kurz nach dem Abitur tritt der Student der Nationalökonomie und Geschichte 1913 der SPD bei. Julius Leber befürwortet die Bewilligung der Kriegskredite durch die SPD und meldet sich folgerichtig 1914 zum Kriegsdienst. 

1921 beginnt seine kurze, intensive Parteikarriere als Chefredakteur des "Lübecker Volksboten". Drei Jahre später zieht er für die SPD in den Reichstag ein und widmet sich dort der Wehrpolitik im Bestreben, die Differenzen zwischen Arbeiterschaft und Reichswehr zu überwinden. Dennoch stellt er sich 1928 gegen die Parteimehrheit und die Losung "Kinderspeisung statt Panzerkreuzerbau".

Als Mann der Tat setzt Julius Leber im Reichsbanner auf eine "Politik der harten Faust". Das wird ihm am 31. Januar 1933 fast zum Verhängnis. Nazi-Schergen versuchen, ihn zu ermorden. Dabei kommt ein Attentäter zu Tode. Danach beginnt Lebers Leidensweg, der am 5. Januar 1945 am Fleischerhaken in Plötzensee endet. (lp)

(Dieser Artikel ist erschienen im vorwärts-Sonderheft "Der lange Weg zu einem besseren Land. 150 Jahre Sozialdemokratie".)

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