Sigmar Gabriel
Quelle: SPD Parteivorstand

Die SPD schrieb Geschichte

von Sigmar Gabriel

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel erinnert in einem Namensbeitrag an das Ende der Teilung Deutschlands vor 25 Jahren und an die Gründung der SDP, der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, im Herbst 1989. Am 7. Oktober 2014, dem Jahrestag der Gründung, lädt der SPD-Parteivorstand zu einer Gedenkveranstaltung ins Willy-Brandt-Haus ein.

Namensbeitrag von Sigmar Gabriel:
Wir schauen auf 25 Jahre deutsche Einheit und sind immer noch erstaunt und glücklich, wie friedlich und rasant die deutsche Teilung in den Jahren 1989/90 beendet wurde. Wie viel seitdem geleistet wurde und wie gut es ist, dass Deutschland im Herzen Europas zu einem starken Partner in einer krisengeschüttelten Welt gereift ist. Die Aufbauleistung in Ostdeutschland ist beeindruckend; vieles wurde erreicht und einiges bleibt zu tun, um die innere Einheit Deutschlands zu vollenden.

Illegale Treffen
Nicht nur die Frauen und Männer, die im Herbst 1989 zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei in der DDR zusammenkamen, ahnten noch nicht, wie das Rad der Geschichte in den Tagen und Wochen, die folgten, in Schwung geraten sollte. Auch in Westdeutschland war man darauf nicht vorbereitet. Sie trafen sich in der Illegalität, immer damit rechnend, von der Stasi zerschlagen zu werden oder sogar persönlich in Haft zu geraten.

Trotzdem entschlossen sie sich zu diesem radikalen Schritt, weil sie wussten, dass die Gründung einer Sozialdemokratischen Partei an den Grundfesten des SED-Staates rütteln würde. Sie knüpften bewusst an die traditionsreiche Geschichte der Sozialdemokratie an, stellten unsere Grundwerte in den Mittelpunkt ihrer Programmatik und verstanden sich als Teil einer osteuropäischen Bewegung für Frieden und Freiheit, die den Eisernen Vorhang beseitigen wollte.

Enorme Einsatzbereitschaft
Der Fall der Mauer und die Öffnung der innerdeutschen Grenze, der Neuaufbau einer Partei nach Jahrzehnten der Diktatur und die unmittelbare Notwendigkeit, politische Verantwortung zu übernehmen, brachte die junge Partei an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Mit enormer Einsatzbereitschaft ihrer Mitglieder und Funktionsträgerinnen und Funktionsträger, mit der tatkräftigen Unterstützung ungezählter Genossinnen und Genossen aus Westdeutschland leistete die Sozialdemokratie einen großen und beispiellosen Beitrag zum Gelingen der deutschen Einheit. Wir können mit Stolz und Selbstbewusstsein auf diese Geschichte blicken.

Gemeinsamer Kampf für einen Einigungsvertrag
Die SPD in Ost und West kämpfte 1989/90 für einen Einigungsvertrag, der die berechtigten Interessen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigte – und das vor dem Hintergrund einer katastrophalen wirtschaftlichen Situation in der ehemaligen DDR und einer anhaltenden Auswanderungswelle vieler Ostdeutscher. Natürlich entstanden dabei auch Spannungen zwischen Ost und West und innerhalb der Sozialdemokratie. Das Einigende, das Verbindende war aber immer dominierend.

Auf einem denkwürdigen Parteitag im September 1990 vereinigten sich die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus Ost und West. Die Zerschlagung durch die Nazis und die Unterdrückung und Verfolgung durch die Kommunisten im Ostteil Deutschlands waren damit endlich gänzlich überwunden. Die SPD war wieder eine gesamtdeutsche Partei.

Impuls zur Überwindung der deutschen Teilung
Heute, 25 Jahre nach dem Fall der Mauer, denken wir gerne an die Begeisterung und die Solidarität der Menschen in dieser Zeit zurück. Wir erkennen, dass der mutige Schritt zur Neugründung der Sozialdemokratie in Ostdeutschland einen starken Impuls zur Überwindung der deutschen Teilung geliefert hat. Er gab Menschen die Gelegenheit, mitzumachen und Teil einer gesamtdeutschen Sozialdemokratie zu werden.

Heute ist die SPD in Ostdeutschland eine Partei, die dort mit drei von sechs Ministerpräsidenten Regierungsverantwortung innehat. Sie ist in den Städten und Gemeinden vielerorts fest durch erfolgreiche Landrätinnen, Landräten und Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern verankert. Wir wissen: Es bleibt noch viel zu tun, um die deutsche Einheit zu vollenden. Die Angleichung der Lebensverhältnisse ist noch nicht zufriedenstellend erreicht.

Zukunftsperspektiven schaffen
Die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands muss größer werden, um Zukunftsperspektiven zu schaffen und die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West zu verringern. Dies ist der beste Weg, um Abwanderung zu vermeiden und Altersarmut vorzubeugen.

Die SPD stellt sich diesen Zukunftsfragen und ist bereit, in den kommenden Jahren mit neuen Impulsen die deutsche Einheit zu gestalten.

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