Gedenkstein in Leipzig, der an die Gründung des ADAV 1863 erinnert.
Quelle: Andi Kunze für 150-Jahre-SPD.de

Gedenkstein am Pantheon

Das Geburtshaus der Sozialdemokratie steht nicht mehr. Aber seit dem 22. Mai 2013 erinnert ein solider Felsbrocken an zwölf Männer mit Rückgrat und die Gründung des ADAV.

Es ist windig und kalt. Es regnet, mitten im Mai. "Macht's Euch ein bisschen kuschelig!", bittet Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung unters Zeltdach. Das haben Leipzigs Sozialdemokraten vorsorglich neben dem neuen Gedenkstein errichtet – und schnell noch mal erweitert, als doch mehr Gäste und mehr Journalisten kommen als erwartet.

Trotz des Regens bei bester Laune: Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel und die Gäste, die der Enthüllung des Gedenksteins beiwohnen wollen. (Quelle: ak)

Am Vorabend des 150. Geburtstags der SPD ist Leipzig erneut Geburtsort einer Bewegung. Aus allen fünf Kontinenten sind Vertreter sozialdemokratischer und progressiver Parteien nach Sachsen gekommen. Gleich nach der Enthüllung des Gedenksteins werden sie die Progressive Alliance gründen: erstmals organisieren sich Demokraten rund um den Globus, um dem entgrenzten Finanzkapitalismus die Stirn zu bieten. Eine logische Fortsetzung des Wegs, der 1863 begann.

Gesang und Spiel und Politik
Sein Beginn liegt in Leipzig. "In einem Tanz- und Vergnügungslokal", wie Sigmar Gabriel in Erinnerung ruft, dem Colosseum, später Pantheon: "Es war ein Jahrhundert lang Versammlungsort der Sozialdemokraten."

Es war keineswegs selbstverständlich, dass der Wirt sein Lokal Ferdinand Lassalle und dessen elf Genossen zur Verfügung stellte. Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins war ein Angriff auf die bestehende Gesellschaftsordnung. Sein Anspruch war revolutionär. Sigmar Gabriel bringt ihn so auf den Punkt: "Jeder Mensch ist frei geboren – und jeder hat das Recht, aus seinem Leben das Beste zu machen." Wer im 19. Jahrhundert diesen ur-demokratischen Anspruch erhob, musste mit Gefängnis rechnen.

"Haltung hat nichts mit Herkunft zu tun"
Burkhard Jung findet es empörend, dass eine der Kernforderungen des ADAV von 1863 noch immer nicht erfüllt ist: die nach fairen Mindestlöhnen.

Allein in Leipzig seien heute 18 000 Bürger auf einen städtischen Mietzuschuss angewiesen – obwohl sie 40 Stunden

in der Woche arbeiten. Schon allein deshalb sei längst nicht vollendet, was 1863 begann. Jung: "Habt Mut und Zuversicht! Bei Wind und Wetter!"

Zusammen mit Sigmar Gabriel und Burkhard Jung, SPD-Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, feiern Genossinnen und Genossen mit den Bürgern der Stadt die Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie. (Quelle: ak)

Mut gehörte auch dazu, 1989 in der DDR eine neue sozialdemokratische Partei zu gründen, die SDP. Daran erinnert Martin Dulig, Vorsitzender der sächsischen SPD. Und an den Mut der Leipziger, die 1989 massenhaft auf die Straßen gingen, um dem SED-Regime die Stirn zu bieten – nicht wissend, ob nicht vielleicht doch wieder Panzer rollen würden wie 1953.

Sigmar Gabriel erwähnt, dass die mutigsten Köpfe der Sozialdemokratie oft aus einfachsten Verhältnissen stammten; wie August Bebel, wie Otto Wels, wie Willy Brandt. Menschen, die sich nicht beugen ließen. Gabriel stellt fest: "Haltung hat eben nichts mit Herkunft zu tun." (uk)

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