SPD-Verbot im Völkischen Beobachter
Quelle: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Zum zweiten Mal wird die Partei verboten. Diesmal begleitet von Terror und Mord

Der "Völkische Beobachter" bejubelt das "Wohlverdiente Ende der marxistischen Landesverratspartei". Eine freie, kritische Presse existiert im Deutschen Reich nicht mehr, das Parlament hat sich selbst entmachtet. Jetzt wird die SPD auch offiziell verboten.

Ihre Parteihäuser sind längst geplündert, ihre Verlage stillgelegt. Ein Teil der SPD-Führung ist ins Ausland geflohen. Seit Anfang Juni beansprucht der Exilvorstand in Prag, für die Partei zu sprechen. Einige der nicht Geflohenen rebellieren dagegen. Sie hoffen noch immer, der Nazi-Spuk werde bald ein Ende haben. Ihr Wortführer ist Paul Löbe, der ehemalige Reichstagspräsident.

Am 22. Juni wird die SPD-Verboten. Einen Tag später wird Paul Löbe in "Schutzhaft" genommen und in ein Konzentrationslager gebracht. Bis Jahresende teilen rund 3000 aktive Sozialdemokraten sein Schicksal. Anderen wird noch übler mitgespielt. Nicht wenige Genossinnen und Genossen vergraben und verstecken ihre Parteibücher.

"Kriegsschauplatz Innerdeutschland"
Reichsinnenminister Wilhelm Frick erteilt den Polizeibehörden im Reich und den Ländern den Auftrag,"die notwendigen Maßnahmen" zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Sozialdemokratie nicht wie während des ersten Verbots unter Bismarck im Untergrund weiterlebt. SS-Führer Himmler spricht vom "Kriegsschauplatz Innerdeutschland".

Was "notwendig" ist, entscheiden SA- und SS-Führer vor Ort. Oft kennen sie ihre Gegner aus jahrelangen Konflikten -und nehmen Rache. Die Polizei steht bestenfalls daneben.

In Köpenick bei Berlin sucht der 24-jährige Anton Schmaus in einem Polizeirevier Zuflucht vor den Häschern. Sie haben ihn in seinem Elternhaus aufgestöbert, seine Mutter drangsaliert.

Anton Schmaus, Mitglied der SPD und der Sozialistischen Arbeiterjugend SAJ, schießt in Notwehr auf die SA-Männer. Er kann fliehen.

Die Köpenicker Blutwoche
Doch das Polizeirevier bietet keinen Schutz. SA und SS tun, was sie wollen. Anton Schmaus ist eines der 25 identifizierten Todesopfer der "Köpenicker Blutwoche".


Völkischer Beobachter vom 23.6.1933 (Quelle: AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung)

Rund 500 Regimegegner aus Köpenick und Umgebung werden von SA-Rollkommandos zwischen dem 21. und 26. Juni 1933 entführt und misshandelt.

Wieviele ihrer Opfer dabei umkommen, ist bis heute unbekannt. Leichen werden im Wald verscharrt und in Flüsse und Seen geworfen. 70 Opfer gelten als vermisst. Sozialdemokraten, Kommunisten, Juden.

Antons Vater Johannes fällt den SA-Schlägern etwas später in die Hände. In ihrer Wut prügeln sie ihn vor den Augen von Frau und Tochter nieder. Seine erhängte Leiche wird am nächsten Tag gefunden.

Ein Gesetz als Alibi
Am 25. Juli 1933 erlässt Reichsjustizminister Franz Gürtner ein "Gesetz über das Ende der nationalsozialistischen Revolution". Damit werden alle Morde und sonstigen Gewalttaten der SA und der SS zu "revolutionären" Akten erklärt. Eine Strafverfolgung findet nicht statt. Das Regime erweckt den Anschein der Legalität. 

Die große Mehrheit der Justizbeschäftigten im Reich nimmt es als Alibi wegzuschauen und mitzumachen – und kann sich später darauf berufen, immer nur nach "Recht und Gesetz" gehandelt zu haben.

Erst nach dem Krieg wird einigen der Täter in der DDR der Prozess gemacht. Das Haus der Falken in Berlin-Neukölln trägt heute den Namen Anton Schmauchs. Das alte Amtsgerichtsgebäude, in dem die örtliche SA 1933 ihr Hauptquartier bezogen hat, beherbergt eine Gedenkstätte. Erinnerung macht wachsam. (uk)

www.heimatmuseum-treptow.de/gedenkstätte

www.falken-neukölln.de/unser-falkenhaus

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Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

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