Braunschweig Volksfreundhaus
Quelle: Stadtarchiv Braunschweig

Volksfreundhaus Braunschweig

Im März 1871 gründete Wilhelm Bracke (1842 – 1880) die Arbeiterzeitung Braunschweiger Volksfreund. 1897 ging der Verlag in das Eigentum der SPD über. 1912 konnte die Druckerei das Haus Ölschlägern 29 und das anliegende Grundstück in der Schlossstraße 8 erwerben, um darauf das Volksfreund-Gebäude
zu errichten. 

Es wurde 1913/14 von dem Architekten Karl Munte (1865 – 1936) erbaut und gehört stilistisch zum späten Jugendstil. Das Volksfreundhaus wurde zum Sitz der SPD des bis 1946 selbstständigen Landes und der Stadt Braunschweig, der sozialdemokratischen Gewerkschaften, der Arbeiterwohlfahrt und des Freidenkerverbandes. In weiteren Räumen gab es Büros des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Versammlungsräume von Jugendorganisationen, eine Volksbuchhandlung, die Volksbibliothek sowie eine Filiale des Konsum-Vereins. 

In den Nebengebäuden befanden sich die Druck- und Redaktionsräume des Volksfreundes. Wegen seiner roten Backsteinfassade und seiner Nähe zum herzoglichen Schloss hieß das Haus im Volksmund auch das Rote Schloss.

Das historische Schloss der Braunschweiger Herzöge wurde von dem Schinkel-Schüler Carl Theodor Ottmer (1800 –1843) im Stil des ausgehenden Klassizismus entworfen. Aufgrund der Kriegsschäden entschied der Braunschweiger Rat 1960 den Abriss. 2006 wurde als Investorenobjekt eine Rekonstruktion eingeweiht.

Am 9. März 1933 stürmte die SS-Hilfspolizei das Rote Schloss und machte es zum "Schutzhaftgefängnis". In den Kellern wurden inhaftierte Sozialdemokraten gefoltert. Auf dem Platz vor dem Volksfreundhaus fand am 9. März 1933 eine der ersten von den Nazis organisierten Bücherverbrennungen statt.

Im Juli 1933 ging das Volksfreundhaus durch Enteignung der SPD in das Vermögen der NSDAP über. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg bei der Bombardierung der Braunschweiger Innenstadt stark beschädigt.

Nach dem Krieg wurde es an die SPD zurückgegeben und mit Hilfe von Spenden wieder aufgebaut. Ein kleiner Turm auf dem Dach wurde nicht wieder errichtet. 1993 wurde das Gebäude gründlich erneuert. Die Büros der SPD erhielten wieder Bogenfenster wie vor dem Krieg. Im Volksfreundsaal wurde eine Wand durch ein Panoramafenster mit Blick auf das Magniviertel, die Ägidienkirche und den Alten Bahnhofsplatz geöffnet. 

Das Hinterhaus mit der Druckerei wurde abgerissen. Wesentliche Teile der von der SPD genutzten Etage konnten durch Spenden der Mitglieder des SPD-Bezirks Braunschweig finanziert werden.

Dies belegt die Verbundenheit der Sozialdemokraten mit ihrem Roten Schloss. Die Büroräume der SPD und ihrer Abgeordneten liegen im dritten Stock, ebenso der Volksfreundsaal. Im Eingangsflur befindet sich eine Erinnerungstafel.

(Quelle: Klaus Wettig, Orte der Sozialdemokratie, vorwärts buch, Berlin 2013)

Braunschweig Volksfreundhaus
Schlossstraße 8
38100 Braunschweig

www.spd-braunschweig.de

Anfahrt:
Vom Hauptbahnhof sind mit der Straßenbahn (M1 und M5) die Haltestellen Schloss bzw. Georg-Eckert-Straße schnell zu erreichen. Von den Haltestellen ist das im Magniviertel gelegene Volksfreundhaus zu Fuß erreichbar.

Meilensteine 2015 werden geladen

Meilensteine 2015 werden geladen...

Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

Zum Artikel.